Neue Vermessung mit Drohnen vom Herbst
Im September hatten Hagg und Mayer die bayerischen Gletscher neu inspiziert; unter anderem überflogen sie Watzmann- und Blaueisgletscher mit Drohnen, um Fläche und Volumenänderung zu bestimmen. Die beiden Berchtesgadener Gletscher könnten schon sehr bald nicht mehr als Gletscher gelten - jedes Jahr könne es nun so weit sein, erläuterten die Wissenschaftler. Im Laufe der 2030er Jahre wird Bayern voraussichtlich gletscherfrei sein.
«Die Gletscher in Berchtesgaden sind nur noch ein kleiner Rest», sagte Mayer. «Der nördliche Schneeferner geht auch zügig seinem Ende zu, da er durch seine südliche Ausrichtung deutlich mehr Höhe verliert als der Höllentalferner in seiner schattigen Tallage.»
Status als Gletscher verloren
Der Höllentalferner im Zugspitzgebiet hielt sich erneut am stabilsten, er verlor nur neun Prozent der Fläche. Er wird von Lawinen gespeist und ist durch Felswände vor starker Sonneneinstrahlung geschützt. Er könnte noch bis in die 2030er Jahre als Gletscher gelten - als letzter in Deutschland. Vor einigen Jahren war noch die Rede davon, dass er sich bis in die zweite Hälfte des Jahrhunderts halten könnte.
Der Nördliche Schneeferner leidet hingegen stark. Dem restlichen Eis dort geben Experten noch wenige Jahre, er wird wohl bis Ende des Jahrzehnts verschwinden.
Seine Fläche hatte sich schon zwischen 1980 und 2023 mehr als halbiert, jetzt schrumpfte sie binnen zwei Jahren um ein Viertel. Von 2007 bis 2022 hatte sich seine Dicke im mittleren Teil von 52 Metern auf 20 Meter verringert. Jetzt verlor er fast fünf Meter an Dicke, doppelt so viel wie die anderen Gletscher, die im Schnitt 2,5 Meter dünner wurden.
Klimaerwärmung trifft Alpen besonders
Die Hälfte der Gletscher alpenweit dürfte Prognosen zufolge bis zur Mitte des Jahrhunderts verschwunden sein. In den Alpen ist die Erwärmung doppelt so hoch wie im globalen Schnitt. In Europa erwärmt sich das Klima wegen der großen Landmassen schneller, die Berge bieten zudem mehr Fläche, die sich aufheizen kann. Wenn Gletscher schmelzen, wirkt zurückbleibendes dunkles Geröll nochmals beschleunigend.
Das Abschmelzen der Alpen-Gletscher hat weitreichende Folgen für Natur, Bergsport und - wenngleich nicht in Bayern - für den Wasserhaushalt. Der Deutsche Alpenverein (DAV) hat mit anderen Umweltorganisationen an die Bundesregierung appelliert, beim Klimaschutz entschieden nachzuschärfen. «Der Rückgang der Gletscher ist eines der sichtbarsten Zeichen der Klimakrise», sagte DAV-Vizepräsident Wolfgang Arnoldt. «Wenn wir die Alpen als wertvollen Natur- und Lebensraum erhalten wollen, müssen wir beim Klimaschutz deutlich entschlossener handeln.»