«Ist das schlimm genug?» Männer suchen spät Hilfe
Autor: Marco Krefting, dpa
, Montag, 26. Oktober 2026
Schnurrbart als Symbol: Aus Moustache und November wird «Movember». In diesem Monat sollen Männergesundheit und mögliche Tabuthemen in den Fokus rücken. Ein Aspekt dabei: die psychische Verfassung.
Erst kamen für Martin Luding Trennung, Scheidung und der Versuch, umso mehr für die Kinder da zu sein. Parallel dazu tingelte der Schauspieler mit dem Solostück «Caveman» quer durch Deutschland. «Freunde haben gesagt: Nimm mal das Gas raus», berichtet der 55-Jährige.
Nach einem Umzug von Stuttgart nach Bayern habe er sich an den Wochenenden komplett auf die Kinder fokussiert, beschränkt durch Lockdowns während der Corona-Pandemie. Diese habe sich angesichts geschlossener Theater auch beruflich ausgewirkt. In einer neuen Beziehung hörte er dann regelmäßig: «Du siehst immer alles nur als Vorwurf.»
All das habe er angehen wollen. «Klar war, ich komme alleine nicht weiter. Und ich wollte nicht die zweite Partnerschaft riskieren», sagt Luding. Auch beim beruflichen Werdegang habe er Begleitung gesucht. Freunde hätten gute Erfahrungen mit Therapien gemacht - daher habe auch er sich Hilfe gesucht.
Schlimm genug?
Das sei eher die Ausnahme, sagt Psychologin Katharina Piekorz aus Oberderdingen im Landkreis Karlsruhe, die «Die Onlinepraxis» betreibt. «Ich erlebe im Erstgespräch häufig Männer, die hochgradig belastet sind und trotzdem die Frage stellen: Ist das denn jetzt schlimm genug?» Frauen - so ihre Erfahrung - machten weniger mit sich selbst aus und kämen schneller zu dem Schluss, Hilfe zu brauchen.
«Das hat sicherlich viel mit dem Rollenbild von Männern zu tun», sagt die Therapeutin. «Mit dem eigenen und dem, das ihnen vorgelebt wird.» Es mache einen großen Unterschied, ob ein Junge von klein auf bei seinem Vater, Großvater oder anderen männlichen Bezugspersonen sehe, dass sie über Sorgen, Ängste, Stress und Überforderung sprechen und sich bei Bedarf Unterstützung suchen. «Es muss ja nicht gleich professionelle Hilfe sein.»
Doch eine Forsa-Umfrage für die hkk Krankenkasse ergab, dass nur 57 Prozent der Männer mit Partnerin oder Familie über Sorgen sprechen. Im Freundeskreis machten dies 45 Prozent. Vielen falle es schwer, über Gefühle zu reden. Die Konsequenz: Mehr als jeder Dritte versuche, Probleme alleine zu bewältigen.
Das Thema Männergesundheit sei nach wie vor oft mit Tabus behaftet, sagt Piekorz. Die Aktion «Movember» will im November mit dem Schnurrbart (Moustache) als Symbol darauf aufmerksam machen und aufklären. Psychische Gesundheit ist nur ein Teil davon.