Hochzeitsnacht für Feldhamster - «Wir simulieren Frühling»
Autor: Volker Danisch, dpa
, Donnerstag, 02. April 2026
Feldhamster sind vom Aussterben bedroht und vielerorts bereits aus der Natur verschwunden. Letzte Chance für den Erhalt der Art ist die Nachzucht. Das ist bei den Einzelgängern gar nicht einfach.
Der Flirt kann für das Männchen unter Umständen böse ausgehen. «Ich muss vorwarnen, Hamster sind nicht ohne. Wenn wir die gleich zusammensetzen, kann es auch sein, dass sie sich mal fetzen», sagt der Tierpfleger Jörg Kritschker.
Einen Paarungskandidaten hat es im Vorjahr übel erwischt. «So richtig verbissen, so schnell kam ich auch gar nicht dazwischen», schildert der Tierpfleger. Zwei «Macken», die das Weibchen hinterlassen hat, mussten in der Tierarztpraxis genäht werden.
Sichtbare Verletzungen sind aber die Ausnahme. Um den Stress der Tiere zu reduzieren, geht das Team nach einem Stufenplan vor. Die Nachzucht hier im Münsterland und anderswo soll den Erhalt der vom Aussterben bedrohten Art sichern.
Bevor es losgeht, stehen Untersuchungen an. So gilt es abzuschätzen, ob der Zyklus des Weibchens passt, ob es paarungsbereit ist. «Das Männchen darf den Bau des Weibchens nur betreten, wenn dieses den Eisprung hat. Andernfalls wird es ausgebissen, die sind da schon recht ruppig», beschreibt Kritschker.
Kaum etwas wird dem Zufall überlassen. Rund 160 Feldhamster werden in Großboxen gehalten. Das Team von Projektleiterin Anika Hirz wählt in diesem Jahr 72 Tiere für die Verpaarung aus. Wichtigstes Kriterium ist die genetische Vielfalt. Eine Wandtafel zeigt, wer mit wem in einer Großbox zusammenkommt.
Nachzuchten sollen Feldhamster retten
Das Artenschutzzentrum in Metelen in Nordrhein-Westfalen ist eine von drei großen Einrichtungen in Deutschland, in denen Feldhamster zur Erhaltung der Art in der Region nachgezüchtet werden. Alleine in NRW werden pro Jahr zwischen 200 und 300 Tiere ausgewildert. Von den Jungtieren bleiben 160 für die Zucht im Folgejahr zurück.
In ähnlichen Größenordnungen werden Feldhamster nachgezüchtet im Zoo Leipzig für Sachsen und im Zoo Heidelberg für die Rhein-Neckar-Region. Weitere Initiativen machen mit. So wird in der ehrenamtlich betriebenen Artenschutzstation Koldingen bei Hannover ein Zuchtstamm für Niedersachsen aufgebaut.