Hitzesommer: Wieder verheerendes Jahr für Alpengletscher
Autor: Christiane Oelrich, Sabine Dobel und Albert Otti, dpa
, Donnerstag, 01. Oktober 2026
Hitzewellen und wenig Schnee setzen den Gletschern in der Schweiz, Österreich und Deutschland massiv zu. Warum kleine Gletscher bereits verschwinden und der Nachschub an Trinkwasser zurückgeht.
Der Schneemangel im vergangenen Winter und die große Hitze im Sommer haben für die Alpengletscher dramatische Folgen. In der Schweiz sind in diesem Jahr rund 5,5 Prozent des Eisvolumens geschmolzen, wie das Schweizerische Gletschermessnetz (Glamos) berichtet. Es bezeichnet das Jahr als verheerend für die Gletscher. Auch in Österreich und Deutschland erwarten Fachleute erhebliche Verluste.
«Alpengletscher haben unter solchen Bedingungen langfristig keine Überlebenschance», teilt Glamos mit. Die mittlere Eisdicke einzelner Schweizer Gletscher habe um 2,5 bis vier Meter abgenommen. Nur im Rekordjahr 2022 sei der Verlust größer gewesen. Das Messnetz führt die Entwicklung auf den Klimawandel zurück. Der Eisverlust war in den vergangenen fünf Jahren fast doppelt so hoch wie in den fünf Jahren davor.
Nullgradgrenze über 4000 Metern
Glamos gehört nach Schweizer Angaben mit einer über 140-jährigen Messreihe zu den ältesten Gletschermessnetzen der Welt. Es vermisst regelmäßig 23 der rund 1.400 Gletscher Schweizer Gletscher und rechnet dies auf alle Gletscher hoch.
Im Winterhalbjahr 2025/26 sei in allen Höhenlagen deutlich weniger Schnee als im langjährigen Mittel gefallen, so Glamos. Die Nullgradgrenze habe an 76 Tagen über 4000 Metern gelegen - so häufig wie nie zuvor. Die schützende Schneedecke auf den Gletschern sei teilweise bereits im Juni verschwunden gewesen. Im September habe selbst auf 3.500 Metern kein Schnee mehr gelegen.
Gletscherschwund und Wasserknappheit
Insgesamt verloren die Gletscher von Juli bis September rund 2.200 Milliarden Liter Wasser, so Glamos. Das ist mehr als das Vierfache dessen, was die Schweizer Haushalte im Jahr an Trinkwasser brauchen. Das Schmelzwasser hilft derzeit noch, sommerliche Wasserknappheit abzumildern. Dieser Effekt nimmt mit der schrumpfenden Eisfläche jedoch bereits deutlich ab.
Kleine Gletscher seien inzwischen verschwunden, etwa der Bella-Tola-Gletscher im Wallis und der Plattalvagletscher, auch Griessfirn genannt, in Glarus. Die Gletscher Allalin, Clariden, Großer Aletsch und Rhone hätten in diesem Jahr eine so starke Schmelze erlebt wie nie zuvor seit Messbeginn, berichtet Glamos.
Österreich: Wasser durchlöchert Eis wie die Maus den Käse
In Österreich sind derzeit Freiwillige des Alpenvereins (ÖAV) unterwegs, um die Gletscher nach dem abgelaufenen Sommer zu dokumentieren. Die Teams seien mit «massivem Längen- und Massenschwund» konfrontiert, sagt ÖAV-Experte Andreas Kellerer-Pirklbauer der Deutschen Presse-Agentur. Auf Österreichs größtem Gletscher, der Pasterze am Fuße des Großglockners, zeichne sich ein möglicher Rekord-Eisverlust ab. Der Pasterze mache nicht nur die direkte Sonnenstrahlung zu schaffen, sondern sie werde auch durch Schmelzwasser von innen ausgehöhlt. «Wie ein Schweizer Käse durch eine Maus», sagt Kellerer-Pirklbauer.