Hinter der Kuschelfassade: Die erstaunliche Welt der Koalas
Autor: Carola Frentzen, dpa
, Sonntag, 04. Oktober 2026
Koalas sind keine Kuscheltiere. Hinter der flauschigen Fassade stecken eigenwillige Spezialisten – und eine Art, die zunehmend unter Druck steht. Zu Besuch im ältesten Koala-Schutzzentrum der Welt.
Maximus ist ein ziemlich imposanter Koala. Zehn Kilo bringt der Bursche auf die Waage, ungewöhnlich viel für seine Spezies - der Name ist Programm. Zudem hat er mit seinen 18 Jahren ein für die australischen Beuteltiere geradezu biblisches Alter erreicht. Mit großen Ohren, Knopfaugen und dichtem Fell sieht er fast wie ein Plüschtier aus. Doch hinter der niedlichen Fassade verbirgt sich eine faszinierende Tierart.
Mit rund 100 Artgenossen lebt Maximus im Lone Pine Koala Sanctuary, dem ältesten Koala-Schutzgebiet der Welt. Die Anlage wurde 1927 in Brisbane gegründet - im kommenden Jahr feiert sie ihr 100-jähriges Bestehen. Damit steht sie sogar im Guinness-Buch der Rekorde.
«Koalas könnten aussterben»
Zwischen Eukalyptusbäumen und Besucherwegen kümmern sich die Mitarbeiter nicht nur um die Tiere in ihrer Obhut. Es geht um eine viel größere Frage: Wie können Koalas trotz wachsender Bedrohungen langfristig überleben? Am Welttierschutztag (4. Oktober) geht es deshalb auch um diese ikonische Spezies, die nicht nur durch den Verlust ihres Lebensraums, sondern auch durch eine gefährliche Infektionskrankheit bedroht ist.
«Wir machen uns große Sorgen, dass Koalas aussterben könnten», sagt Chefveterinärin Galit Tzipori. Sie arbeitet seit 28 Jahren als Tierärztin in dem Schutzzentrum, davor war sie sechs Jahre lang Koala-Pflegerin. Wenn sie von ihren Schützlingen erzählt, kommen erstaunliche Fakten ans Tageslicht.
Von frech bis sanftmütig
Zunächst einmal: Hinter jedem einzelnen Exemplar versteckt sich eine ganz eigene Persönlichkeit. «Sie sind so unterschiedlich», schwärmt Tzipori. Manche seien frech, andere sehr sanft. Eine Koala-Dame namens Tabby wolle ununterbrochen «reden», Akane sei eine hervorragende Mutter und Esmeralda ziemlich vorlaut.
Und dann sei da «Opa» Maximus, ihr Liebling mit Sehschwäche und grauem Star auf einem Auge. «Er ist ein ausgesprochen lieber, gutmütiger Kerl», lächelt Tzipori. Aber um den jährlichen Zahncheck kommt der Koala-Methusalem dennoch nicht herum.
Bis zu 20 Stunden am Tag verbringen Koalas ruhend. Doch das ist Teil ihrer Überlebensstrategie. Sie fressen fast nur Eukalyptusblätter, die kaum Energie liefern und schwer verdauliche Pflanzenfasern enthalten. Also sparen sie bei den Bewegungen, wo es geht. «Die Leute denken oft, sie seien langsam und dumm», sagt Tzipori. Beides stimme nicht. Koalas seien faszinierende Wesen, und könnten im Sprint bis zu 30 Kilometer pro Stunde erreichen. Zudem seien ihr Gehör und Geruchssinn besonders gut entwickelt.