Glutenfrei leben – worauf Zöliakie-Betroffene achten müssen
Autor: Sarah Knorr, dpa
, Samstag, 16. Mai 2026
Strikt glutenfrei essen – das ist für Zöliakie-Betroffene unerlässlich. Was hinter der Erkrankung steckt, wie Symptome aussehen und was beim Umgang mit Lebensmitteln zu beachten ist.
Zöliakie ist mehr als nur eine Unverträglichkeit - und bleibt oft lange unentdeckt. Sei es im Haushalt, bei der Arbeit, im Urlaub oder im Restaurant: Betroffene müssen Gluten vermeiden und daher im Alltag eine Menge beachten. Fragen und Antworten vor dem Welt-Zöliakie-Tag an diesem Samstag.
Was ist Gluten?
Gluten ist ein Stoff in Getreide. «Dieses Klebereiweiß ist vorwiegend in bestimmten Getreidesorten enthalten, etwa in Weizen, Dinkel, Gerste und Roggen», sagt Birgit Terjung, Sprecherin der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS).
Was ist Zöliakie?
Zöliakie ist eine Autoimmunerkrankung, bei der Betroffene mit einer Immunreaktion auf Gluten reagieren. Schon kleinste Mengen Gluten können dabei nach Angaben der Deutschen Zöliakie Gesellschaft (DZG) eine Immunreaktion auslösen. Dadurch komme es zu einer Entzündung im Dünndarm sowie zu einer Rückbildung der sogenannten Darmzotten und damit zu einer Schädigung der Schleimhaut. «Langfristig kann die anhaltende Schädigung der Darmschleimhaut zu Nährstoffmängeln führen und das Risiko für Folgeerkrankungen wie Osteoporose erhöhen», erläutert die Sprecherin der Organisation, Kseniya Mai.
Diese Zotten sind bis zu einen Millimeter große Ausstülpungen der Darmschleimhaut. Sie seien bei Menschen mit Zöliakie durch glutenhaltige Ernährung nicht oder kaum mehr da, erklärt Gastroenterologin Terjung. «Dadurch funktioniert die Aufnahme von Nährstoffen schlechter», sagt sie. «Und wenn sie dann glutenfreie Kost zu sich nehmen, baut sich diese Schleimhaut wieder auf und funktioniert wieder.» Das dauere meist jedoch ein bis zwei Jahre.
Etwas anderes als die Zöliakie ist die herkömmliche Weizenallergie, die sich durch allergische Reaktionen auf verschiedene Weizenproteine wie Hautreaktionen, Atem- oder Magen-Darm-Beschwerden äußern kann. «Betroffene müssen Weizen meiden, vertragen jedoch häufig andere glutenhaltige Getreidearten», erläutert Mai.
Was sind Symptome der Zöliakie?
Typische Anzeichen der Zöliakie sind etwa Durchfall, Gewichtsverlust und Müdigkeit. Aber auch Beschwerden wie Verstopfung, Bauchschmerzen und Blähungen können auftreten. Außerdem ist Eisenmangel ein häufiges Merkmal. «Dadurch, dass diese Zotten abgebaut sind, wird das Eisen nicht mehr richtig aufgenommen», erklärt Terjung. Auch veränderte Leber- oder Bauchspeicheldrüsen-Werte können vorkommen. «Da gibt es eine ganze Menge an Symptomen, auch außerhalb des Magen-Darm-Traktes, die einen zumindest mal an eine Zöliakie denken lassen.»
Es müssen nicht alle Symptome bei einem Erkrankten auftreten. «Die Verzögerung der Diagnostik liegt meist daran, dass selten das Vollbild der Zöliakie mit massivem Gewichtsverlust und Durchfall mit Fettstühlen vorliegt», schreibt die DZG. «Es überwiegen die Verläufe, bei denen nur wenige oder einzelne Symptome auftreten.»