Gefährliche Ameise breitet sich aus - warum Forscher warnen
Autor: Martin Oversohl, dpa
, Freitag, 27. März 2026
Erstmals ist in Deutschland die Asiatische Nadelameise nachgewiesen worden. Ihre Stiche gelten als besonders riskant – was Forschende im Stuttgarter Rosensteinpark entdeckten.
Beim Ausflug in den Zoo hat ein Stuttgarter Biologiestudent mit seiner Mutter zwischen Elefanten, Koalas und Tigern eine neue und gefährliche Ameisenart entdeckt. «Etwas schlanker und dunkler waren die zwei Arbeiterinnen, mit Verhaltensweisen, die sie von heimischen Arten abgrenzen», erinnert er sich nach Angaben der Universität Hohenheim an den Moment, an dem er die Asiatische Nadelameise zum ersten Mal sah.
Allergische Schocks möglich
Als Forschende nur wenig später in einem benachbarten Park auf eine ganze Kolonie der Asiatischen Nadelameise stoßen, ist klar: Die eingeschleppte Art hat es nach Deutschland geschafft, sie macht sich hier breit - und das könnte zum Problem für Mensch, Natur und andere Insekten werden. Denn nach Angaben der Experten sind Stiche der Nadelameise nicht nur schädlich, sie können - ähnlich wie bei einem Wespenstich - auch allergische Schocks auslösen und daher im schlimmsten Fall lebensgefährlich sein.
«Die Insekten werden von der Europäischen Union aufgrund ihrer möglichen Schadwirkung und ihrer potenziell allergieauslösenden Stiche als besonders problematisch eingestuft», teilten die Experten der Frankfurter Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung mit. Die Art war im vergangenen Sommer in die höchste Gefahrenklasse der EU heraufgestuft worden.
Student meldete Fund in Stuttgarter Zoo Wilhelma
Der Fund der Kolonie im Stuttgarter Rosensteinpark ist nach Angaben der Wissenschaftler der erste gesicherte Nachweis einer Asiatischen Nadelameise (Brachyponera chinensis) in Deutschland - und es dürfte nicht der letzte gewesen sein.
«Wir konnten in dem Park eine vollständige Kolonie der Asiatischen Nadelameise mit Nachwuchs entdecken», sagte Brendon Boudinot vom Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseum Frankfurt und warnte: «Das zeigt, dass es sich nicht nur um einzelne eingeschleppte Tiere handelt, sondern sehr wahrscheinlich um eine lokale überwinterungsfähige Population. Damit liegt der erste gesicherte Nachweis dieser Art in Deutschland vor.»
Boudinot ist Erstautor einer Studie zum deutschen Erstnachweis, die nun im wissenschaftlichen Fachjournal «Zootaxa» erschienen ist. Einer der Co-Autoren ist der Stuttgarter Biologie-Student Max Härtel, der nach Angaben der Universität Hohenheim bereits kurz zuvor ein Exemplar der Asiatischen Nadelameise im Stuttgarter Zoo Wilhelma entdeckt und bestimmt hat.
«Ein Zufallsfund», sei das gewesen, sagt David Grunicke, der am Comer See in Italien bereits den ersten Nachweis einer etablierten Population dieser Art in Europa erbracht hatte. Bei dem Tier in der Wilhelma handele es sich wahrscheinlich um ein Exemplar der Kolonie aus dem Park.