Gar nicht dumm: Kuh nutzt gezielt Werkzeuge zum Kratzen
Autor: dpa
, Montag, 19. Januar 2026
Von wegen «dumme Kuh»: Die Kuh Veronika macht sich längere, alltägliche Gegenstände auf erstaunliche Weise zunutze. Nutztiere werden oft unterschätzt, meinen Forscher.
Mit ihrer langen Zunge greift die österreichische Kuh Veronika einen Schrubber und kratzt sich ausgiebig: Mit dieser Eigenart hat die Kuh das Interesse von Biologen geweckt. Diese haben nach eigenen Angaben erstmals wissenschaftlich nachgewiesen, dass ein Hausrind gezielt ein Werkzeug einsetzen kann. Im konkreten Fall nimmt Veronika lange Objekte ins Maul und kratzt sich damit an verschiedenen Körperstellen, sogar an ihrem Po.
Die kognitiven Fähigkeiten von Nutztieren würden oft unterschätzt, schreiben Alice Auersperg und Antonio Osuna Mascaró von der Veterinärmedizinischen Universität Wien in ihrer Studie, die im Fachjournal «Current Biology» erschienen ist. «Wir verwenden den Begriff "dumme Kuh", weil wir diese Tiere nur aus dem Blickwinkel der Verwertung betrachtet haben», sagte die aus Bayern stammende Auersperg der Deutschen Presse-Agentur.
Kuh lebt als Haustier
Kuh Veronika muss jedoch weder Milch produzieren, noch ist sie für den Metzger vorgesehen. Sie lebt als Haustier bei einem Biobauern und Bäcker im Bundesland Kärnten im Süden Österreichs.
Nachdem Auersperg vor etwa einem Jahr ein Buch mit dem Titel «Der Erfindergeist der Tiere» veröffentlicht hatte, berichteten ihr zahlreiche Menschen über Tiere mit besonderen Verhaltensweisen. Unter anderem erhielt sie ein Video von Veronika.
Auersperg und Osuna Mascaró planten daraufhin, mehr über diese Kuh zu erfahren und die ihre Fähigkeiten experimentell zu überprüfen. Außerdem wollten die beiden Biologen ausschließen, dass es sich um einen antrainierten Trick oder ein KI-Video handelt.
Experiment mit Schrubber
Die Forscher fanden heraus, dass Veronika seit etwa neun Jahren heruntergefallene Äste oder auch Rechen von selbst in den Mund nimmt, um sich zu kratzen. Für das Experiment wurde Veronika ein Deckschrubber – eine langstielige Bürste – Dutzende Male in verschiedenen Positionen hingelegt.
Es zeigte sich, dass Veronika gezielt das Ende des Stiels ins Maul nahm, um den Kopf seitlich nach hinten zu biegen und so mit der Bürste den Rücken zu erreichen. Wollte sie empfindlichere Bereiche erreichen, etwa am Bauch oder am After, dann nahm sie den Schrubber am anderen Ende auf, um sich vorsichtig mit dem Ende des Stiels zu kratzen.