Deutschland 2026: Wie unser Land in der Klimakrise aussieht
Autor: Larissa Schwedes (Text), Angelika Warmuth, Oliver Berg und Klaus-Dietmar Gabbert (Fotos), dpa
, Mittwoch, 26. August 2026
Schmelzende Gletscher, tote Bäume und austrocknende Seen und Flüsse: Fotos der Deutschen Presse-Agentur dokumentieren, wie sich Deutschland verändert.
Brände, Rekordhitze und so wenig Wasser in den Flüssen wie noch nie: Deutschland hat in diesem Sommer die Folgen der Erderwärmung besonders heftig zu spüren bekommen. Doch die klimabedingten Veränderungen zeigen sich nicht nur in den besonders drastischen Katastrophenbildern, sondern auch in schleichenden Prozessen.
Kann man die Veränderungen sehen?
Ja, allerdings wird manches erst über einen längeren Zeitraum deutlich sichtbar. Die Deutsche Presse-Agentur hat begonnen, diesen Prozess zu dokumentieren. Seit einigen Jahren nehmen dpa-Fotografinnen und -Fotografen an ausgewählten Orten Bilder auf – jedes Jahr im Spätsommer (meist August), von möglichst exakt denselben Positionen aus und mit der gleichen Perspektive.
Die Veränderungen gehen dabei nicht immer nur in eine Richtung. «Globale Erwärmung bedeutet nicht, dass es an jedem Ort zu jedem Zeitpunkt jedes Jahr wärmer wird, sondern wir haben natürliche Schwankungen im System», erklärt Anders Levermann vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung. Es sei also nicht überraschend, wenn in den jährlichen Foto-Reihen keine lineare Entwicklung zu beobachten sei. Das bedeute nicht, dass der Klimawandel keine Auswirkungen darauf habe, wie sich die Umwelt in Deutschland verändere. Die Schwankungen würden durch den Klimawandel alle verstärkt, in alle Richtungen, «und das ist schlecht».
Wo hat der Klimawandel schon deutliche Spuren hinterlassen?
Am eindeutigsten sind die Veränderungen an den deutschen Gletschern zu erkennen – die mit den steigenden Temperaturen dem Untergang geweiht sind.
Auf den aktuelleren Bildern sind weniger Schnee und Eis zu erkennen als auf jenen vor rund fünf Jahren. Die vier letzten deutschen Gletscher haben allein von 2023 bis 2025 mehr als ein Viertel ihrer Fläche eingebüßt, wie eine Vermessung des Geografen Wilfried Hagg von der Hochschule München und dem Glaziologen Christoph Mayer von der Bayerischen Akademie der Wissenschaften (BAdW) ergab. Der Watzmanngletscher in den Berchtesgardener Bergen könnte schon bald seinen Status als Gletscher verlieren. Am längsten dürfte sich noch der Höllentalferner im Zugspitzgebiet halten. Beide werden bereits seit 2021 jährlich von dpa fotografiert.
Klimaforscher Levermann erklärt im Gespräch: «Unter globaler Erwärmung gibt es zwar mehr Niederschlag und dieser kann auch in hohen Breiten als Schnee fallen, aber die Erwärmung selber und das damit verbundene Schmelzen von Gebirgsgletschern überwiegt bei weitem. Und deswegen verlieren 97 Prozent der Gebirgsgletscher weltweit und auch die in Deutschland an Masse. Die deutschen Gletscher sind also nicht mehr zu retten.» Neben den genannten gehören noch der Nördliche Schneeferner und der Blaueisgletscher dazu.
Welche Folgen hat das große Schmelzen?
Viele Menschen denken bei schmelzenden Gletschern an negative Folgen für den Wintersport – aber die Folgen sind weitreichender. Gebirgsgletscher seien wichtige Speicher von Frischwasser für die Flüsse, auch in den Alpen, erklärt Levermann. Normalerweise nehme im Winter die Masse durch Schnee zu und im Sommer schmölzen dann Teile davon ab. «Wenn das im Gleichgewicht ist, dann bedeutet das so eine Art Puffer in einer Zeit, in der man potenziell eine Dürre hat und deswegen weniger Wasser in den Flüssen und Seen. Und diese ausgleichende Wirkung, die verlieren sie halt.» Auch beim Niedrigwasser der vergangenen Wochen dürfte dieser Effekt bereits eine Rolle spielen.