Binge-Watching ohne Limit? Was eine Sucht begünstigt
Autor: dpa
, Samstag, 24. Januar 2026
Serien als Flucht vor der Einsamkeit? Eine neue Studie weist darauf hin, warum manche Menschen beim Binge-Watching nicht mehr abschalten können – und welche Gefühle dabei eine Rolle spielen.
Viele Menschen verbringen ihre Abende mit Serienmarathons. Doch exzessives sogenanntes Binge-Watching kann problematisch werden. Eine Studie aus China weist darauf hin, dass insbesondere suchtähnliches Binge-Watching mit Gefühlen von Einsamkeit verknüpft sein kann.
Einsamkeit erhöht der Untersuchung zufolge wohl das Risiko dafür, in eine Sucht nach exzessivem Serienkonsum zu geraten. Das chinesische Forschungsteam von der Huangshan University kommt nach ausführlichen Befragungen im Fachmagazin «Plos One» zu dem Schluss, dass es einen signifikanten Zusammenhang zwischen Einsamkeit und einem stärkeren Hang zu einer Binge-Watching-Sucht gibt.
Das Phänomen Binge-Watching kam vor einigen Jahren mit dem Streaming-Boom auf, zu dessen Beginn noch viele Anbieter ihre Serien-Staffeln an einem Tag komplett auf einen Schlag veröffentlichten.
Die chinesischen Forschenden gehen davon aus, dass sich Menschen mit Binge-Watching-Sucht in ihren Motiven deutlich von Vielsehern ohne Suchtverhalten unterscheiden. Entscheidend sei die psychologische Funktion, die das Schauen erfülle.
Emotionale Regulierung als Treiber
Das Team machte hierbei zwei Muster fest: Das Binge-Watching wird demnach oft genutzt, um negativen Gefühlen zu entkommen und gleichzeitig positive Emotionen zu verstärken.
Aus Sicht der Autoren deutet dies darauf hin, dass problematisches Binge-Watching vor allem dann entsteht, wenn das Verhalten der emotionalen Selbstregulation dient. Menschen, die sich einsam fühlen, nach emotionaler Erfüllung suchen oder Serien gezielt als Fluchtmechanismus einsetzen, hätten demnach ein erhöhtes Risiko, eine Binge-Watching-Sucht zu entwickeln.
Mindestens 3,5 Stunden Bingen pro Tag
Für die Untersuchung befragten die Wissenschaftler 551 chinesische Erwachsene, die besonders viel fernsahen. Voraussetzung für die Teilnahme war ein Serienkonsum von mindestens dreieinhalb Stunden pro Tag und mehr als vier Episoden pro Woche. Die Teilnehmenden beantworteten Fragen zu ihrem Sehverhalten, ihren Motiven dafür und ihrem Einsamkeitsempfinden.