Angst, Verdrängung und Tradition erschweren Ebola-Bekämpfung
Autor: Eva Krafczyk, Christoph Driessen und Sammy Mupfuni, dpa
, Freitag, 29. Mai 2026
Ebola ist hochgefährlich - doch die Menschen im Gebiet des aktuellen Ausbruchs im Ostkongo scheuen manche Präventionsmaßnahmen mehr als die Krankheit. Andere glauben: Ebola gibt es gar nicht.
Bunia/Mainz/Tübingen - In der kongolesischen Provinz Ituri geht die Angst vor Ebola um - gleichzeitig gibt es aber auch eine Verdrängung und Leugnung der Krankheit. Viele Menschen wollen nicht glauben, dass die lebensgefährliche Infektionskrankheit mit bereits mehr als 1.000 Verdachtsfällen in ihren Alltag eingedrungen ist.
«Die Menschen können sich nicht dazu bringen, an die Krankheit zu glauben», erzählte Ngone Ngobba Jean Claude aus der Ortschaft Lita Mitarbeitern der Hilfsorganisation Actionaid. «Manche glauben, sie wurde erfunden, um Geld zu machen, andere sagen, dass die Ärzte lügen oder dass man immun ist, wenn man hochprozentigen Alkohol trinkt.»
«Wir kämpfen nicht nur gegen ein tödliches Virus, sondern auch gegen Mythen, Angst und tief sitzendes Misstrauen», sagte Saani Yakubu, Landesdirektor von Actionaid in der Demokratischen Republik Kongo. Nach Schätzungen der Organisation glaubt etwa ein Drittel der Menschen in der betroffenen Region, Ebola sei nur ein Mythos.
Aufklärungsarbeit von Tür zu Tür
Mitarbeiter des Roten Kreuzes, der Pfadfinder und andere Freiwillige leisten Aufklärungsarbeit, gehen buchstäblich von Tür zu Tür, um über die Krankheit, Ansteckungsmöglichkeiten und Schutz vor einer Infektion zu sprechen.
Hinzu kommt: Isolation, Trennung von den Angehörigen und die speziellen Sicherheitsmaßnahmen für die Beisetzung verstorbener Ebola-Patienten stehen im krassen Gegensatz zu allem, was im Kongo ebenso wie in anderen afrikanischen Gesellschaften wichtig ist.
Isolation macht Angst
Kranke oder Sterbende allein zu lassen, ist für die meisten Menschen undenkbar. Nicht nur in den Kinderstationen afrikanischer Krankenhäuser sind eigentlich immer Angehörige am Bett versammelt. Zum Teil liegt das daran, dass Kranke mit selbst zubereitetem Essen versorgt werden, zu einem großen Teil aber am Gemeinschaftsgefühl. In der Stunde der Not soll niemand ohne Beistand seiner Familie sein.
«Viele Menschen haben Angst, in ein Krankenhaus zu gehen, weil sie Angst vor der Isolation haben», sagt die Tübinger Tropenärztin Gisela Schneider, die die Region Ituri gut kennt. «Das bringt Menschen (mit Krankheitserscheinungen) dazu, ganz schnell woanders hinzugehen, damit man sie nicht findet und sie nicht in Quarantäne müssen.»