Alzheimer mit 57: Patientin hofft auf neues Medikament
Autor: Mia Bucher (Text) und Jens Kalaene (Bild), dpa
, Freitag, 23. Januar 2026
Alzheimer ist unheilbar. Ein neues Mittel macht Patienten Hoffnung. Es soll das Fortschreiten der Krankheit verlangsamen. Eine Betroffene erzählt von ihrer Erfahrung - und was sie noch alles vorhat.
Sie sei schon immer ein bisschen hektisch und spontan gewesen, sagt Jacqueline Kretschmann. «Ich mache immer alles ziemlich schnell», so die 57 Jahre alte Berlinerin. Anfangs machten sie und ihr Mann Steffen Schostok sich daher keine Sorgen. Zum Beispiel, als sie nach dem Betreten eines Raumes nicht mehr wusste, was sie dort eigentlich wollte, oder Dinge in ihrem Haus nicht mehr wiederfand. Dass sich etwas Unumkehrbares anbahnte, ahnten sie und ihr Mann da noch nicht.
Vier Jahre später sitzt das Ehepaar in einem Zimmer der Berliner Charité. Die Vergesslichkeit hat jetzt einen neuen Namen: Alzheimer. Die zierliche Frau hängt an einem Tropf, der ein großes Versprechen bereithält - das Fortschreiten der Krankheit zu verlangsamen. Donanemab (Handelsname Kisunla) heißt das Medikament, das die 57-Jährige an diesem kalten Januartag zum ersten Mal verabreicht bekommt. «Mal sehen, ob das hilft», sagt Kretschmann, kurz bevor es losgeht.
Medikament verspricht keine Heilung
Das Medikament ist erst seit November in Deutschland verfügbar. «Die Therapie stellt keine Heilung dar, aber Studien mit Donanemab haben eindeutig eine Verlangsamung der Erkrankungsprogression gezeigt», erklärte der Neurologe Jörg Schulz einmal. Innerhalb von 18 Monaten sei ein Zeitgewinn von vier bis sechs Monaten möglich. Anders als bisherige Alzheimer-Medikamente behandelt der Antikörper nicht nur Symptome, sondern zielt auf zugrundeliegende Krankheitsprozesse ab.
An der Charité werden derzeit etwa 50 Menschen mit Donanemab oder Lecanemab - dem ersten zugelassenen Alzheimer-Medikament dieser Art, das bereits seit September in Deutschland verfügbar ist - behandelt. Maria Buthut ist Neurologin an der Universitätsklinik und leitet gemeinsam mit dem Neurologen Harald Prüß die Gedächtnissprechstunde für Alzheimer-Patienten am Campus Mitte. Seit drei Jahren ist Jacqueline Kretschmann bei ihr in Behandlung. «Menschen setzen sehr große Hoffnungen in diese Therapie», sagt die Neurologin, die Mitglied des Deutschen Zentrums für Neurodegenerative Erkrankungen ist.
Wer kommt für eine Behandlung infrage?
Fast alle ihre Patientinnen und Patienten mit Alzheimer-Diagnose äußerten Interesse an den neuen Medikamenten. Sie müsse die Hoffnungen in den Gesprächen aber oft sehr stark relativieren. «Die Nachfrage ist sehr viel höher als die Zahl der Patienten, denen wir eine Behandlung empfehlen.»
Für eine Behandlung kommen nur Menschen in einem sehr frühen Alzheimer-Stadium infrage. Außerdem darf ein bestimmtes Risikogen höchstens einmal vorliegen. Donanemab wird alle vier Wochen per Infusion verabreicht. Lecanemab muss alle zwei Wochen gegeben werden.
Gewohnte Tätigkeiten dauern länger
Jacqueline Kretschmann befindet sich nach Einschätzung von Buthut im Bereich einer leichtgradigen Demenz. Die 57-Jährige ist noch ziemlich fit. 90 bis 95 Prozent aller Dinge könne sie noch alleine machen, sagt ihr Mann, der 68 ist. Einkaufen aber zum Beispiel falle ihr zunehmend schwer, Orientierung sei ein Problem, gewohnte Tätigkeiten dauerten länger. Und es gebe immer wieder Gedächtnislücken. Als sie auf einem Schreiben das aktuelle Datum notieren soll, muss ihr Mann helfen. Welcher Tag? Welcher Monat? Welches Jahr?