40 Prozent der Menschen sind Ozon-Extremwerten ausgesetzt
Autor: dpa
, Mittwoch, 30. Sept. 2026
Eine neue Analyse zeigt: Hitzewellen, Brände und Saharastaub verschlechterten 2026 die globale Luftqualität massiv. Fast 40 Prozent der Weltbevölkerung sind von extremen Ozonwerten betroffen.
Extremhitze, verheerende Waldbrände und Wüstenstaubstürme haben die weltweite Luftqualität im Jahr 2026 drastisch verschlechtert. Laut einer Analyse des EU-Erdbeobachtungsprogramms Copernicus waren im Jahr 2026 knapp 40 Prozent der Weltbevölkerung extrem hohen Konzentrationen an bodennahem Ozon ausgesetzt.
Neben der starken Ozonbelastung führten Rauchwolken aus Extrembränden in Nordamerika, Südeuropa und Südostasien sowie Staubströme dazu, dass die Atemluft von Milliarden Menschen sehr hohe Schadstoffwerte erreichte. Copernicus stützt sich auf Daten seines Atmosphärenüberwachungsdienstes CAMS (Copernicus Atmosphere Monitoring Service). Die Datenreihe der Analyse zu Ozon und zu Saharastaub reicht bis 15. September.
Bodennahes Ozon: Das unsichtbare Gift über Grenzen hinweg
Bodennahes Ozon gilt unter Experten als unsichtbarer Schadstoff und unterscheidet sich grundlegend von anderen Luftgiften. Es wird nicht direkt ausgestoßen, sondern entsteht als sekundärer Schadstoff durch fotochemische Reaktionen aus Stickoxiden - vorrangig aus der Verbrennung fossiler Brennstoffe im Verkehr und in der Industrie - sowie flüchtigen organischen Verbindungen unter starker Sonneneinstrahlung und hoher Hitze. Hitzewellen schaffen dabei ideale Bedingungen für die Bildung des Gases.
Während strengere EU-Regulierungen zu spürbaren Rückgängen bei Feinstaub und Stickstoffdioxid führten, verharrt die Ozonbelastung in Europa der Analyse zufolge weiterhin auf konstant hohem Niveau. Gemäß der EU-Luftqualitätsrichtlinie sollte der Zielwert von 120 Mikrogramm pro Kubikmeter nur an maximal 25 Tagen pro Jahr überschritten werden. Im Hitzesommer 2026 verzeichneten jedoch vor allem südeuropäische Regionen an weit mehr als 30 Tagen massive Überschreitungen.
Auf globaler Ebene trugen Metropolen wie Mailand, Delhi, Kairo und Mexiko-Stadt die höchste Ozonbelastung. Besonders dramatisch stellte sich die Lage in Asien dar: Dort waren im Jahr 2026 rund 60 Prozent der Bevölkerung zumindest zeitweise extrem hohen Ozonwerten ausgesetzt. «Extrem hoch» ist die schlechteste von sechs Kategorien.
In Europa litten etwa 17 Prozent der Menschen zeitweise unter hohen oder extrem hohen Ozonwerten. Allerdings leben 92 Prozent der europäischen Bevölkerung in Gebieten, die in den sonnigsten und heißesten Monaten einen bestimmten WHO-Richtwert überschritten.
Verheerende Waldbrände und kontinentale Rauchbelastung
Ein weiterer Schwerpunkt des Berichts liegt auf der Zunahme schwerer Waldbrände. Obwohl die global abgebrannte Gesamtfläche in den vergangenen Jahrzehnten rückläufig war - was vor allem daran liegt, dass in Afrika traditionelle Savannenbrände abnahmen - ist die Belastung der Menschheit durch Waldbrandrauch in den vergangenen zwei Jahrzehnten um 40 Prozent gestiegen. Die Ursache liegt in intensiveren Bränden im Zuge des Klimawandels, die immer näher an besiedelte Gebiete heranreichen.