Sonnenfinsternis begeistert in Spanien und Deutschland
Autor: Emilio Rappold und Jan-Uwe Ronneburger, dpa
, Mittwoch, 12. August 2026
Ausgebuchte Hotels, Straßensperrungen und ein Hype um Balkone: Ein spektakuläres Naturschauspiel versetzt Spanien in den Ausnahmezustand. Auch in Deutschland blicken Millionen gebannt zum Himmel.
Erst wurde es dämmrig, dann verschwand die Sonne vollständig hinter dem Mond. Und dann gab es sofort lauten Jubel, Luftsprünge, Applaus - und auch viele Freudentränen. Millionen Menschen verfolgten die erste totale Sonnenfinsternis über dem spanischen Festland seit mehr als einem Jahrhundert. Sie feierten lautstark auf Dorfplätzen, Berggipfeln, Stränden, Dachterrassen und eigens eingerichteten Beobachtungsplätzen. In Deutschland schlug eine partielle Sonnenfinsternis Millionen in ihren Bann.
Manche schrien vor Begeisterung, einige weinten, andere schwiegen ergriffen, lagen sich in den Armen oder hielten den historischen Moment am Abend mit ihren Handys fest, wie im spanischen Fernsehen live zu sehen war. Wie in Deutschland spielte auch das Wetter in Spanien mit. Nur in wenigen Regionen gab es leichte Bewölkung.
«Ich bekam eine Gänsehaut. Ich hätte nie gedacht, dass es so überwältigend sein würde. Es war wirklich eines der schönsten Erlebnisse, die ich je in meinem Leben hatte», sagte die junge Astronautin Sara García mit Tränen in den Augen dem staatlichen spanischen Fernsehsender RTVE. «Sehr kurz, aber unbeschreiblich schön», sagte eine Frau direkt nach dem Ende der totalen Sonnenfinsternis bei der Ebro-Sternwarte in dem Ort Roquetes in Katalonien.
Das außergewöhnliche Naturschauspiel hatte bereits vor Tagen eine beispiellose Reisewelle ausgelöst. Hunderttausende Menschen aus Spanien und dem Ausland machten sich auf den Weg in die rund 300 Kilometer breite Totalitätszone, die sich in Spanien von Galicien bis zu den Balearen erstreckte.
Hotels waren vielerorts seit Monaten ausgebucht, Privatleute vermieteten Balkone und Dachterrassen mit freier Sicht auf den Abendhimmel für mehrere Hundert Euro. Besonders profitierte die sogenannte «España vacia», das dünn besiedelte und von Landflucht geprägte ländliche «leere Spanien», das sonst nur selten im Mittelpunkt des internationalen Tourismus steht.
Größere Zwischenfälle blieben aus
Die totale Sonnenfinsternis hatte gegen 19.00 Uhr in Nordsibirien begonnen. Der Kernschatten des Mondes war dann in einem Bogen an Grönland und Island entlanggezogen und auf Spanien getroffen. In A Coruña im äußersten Nordwesten Spaniens verschwand die Sonne um 20.27 Uhr und 41 Sekunden hinter dem Mond. Für eine Minute und 18 Sekunden wurde der Tag zur Nacht. Wenige Minuten später zog der Kernschatten über Kastilien und León, Aragón und Valencia bis zu den Balearen weiter. Je nach Standort dauerte die Totalität zwischen rund 30 Sekunden und knapp zwei Minuten.
Weil die Sonne am Abend bereits tief über dem Horizont stand, reichte es vielerorts nicht aus, einfach vor die Haustür zu gehen. Wer die totale Phase sehen wollte, musste freie Sicht nach Westen haben. Deshalb pilgerten Hunderttausende zu Stränden, Anhöhen und Aussichtspunkten, wo weder Gebäude noch Bäume den Blick versperrten. Regionen und Gemeinden hatten dafür Hunderte offizielle Beobachtungsplätze eingerichtet.