Zehntausende bei Pride in Seoul – Rechte bleiben umkämpft
Autor: Fabian Kretschmer, dpa
, Samstag, 13. Juni 2026
Zehntausende feiern bei Südkoreas größter Pride-Parade, ebenso viele sind bei einer Gegendemo. Der Kampf um die Rechte für Lesben, Schwule, Transgender stößt weiterhin auf erbitterten Widerstand.
Wo wochentags Angestellte in gläserne Bürotürme eilen, hüllen an diesem Samstagnachmittag mehr als 10.000 Menschen die Seouler Innenstadt in ein buntes Farbenmeer. Beim Seoul Queer Culture Festival demonstrieren sie mit Regenbogen-Flaggen und Protestbannern für die Rechte der LGBTQ-Community.
Seit dem Jahr 2000 findet der südkoreanische Ableger der Pride-Paraden bereits in der Hauptstadt Seoul statt. Während des ersten Umzugs im Jahr 2000 kamen nur einige Dutzend Personen. Jetzt sind es Tausende.
«Südkorea ist nach wie vor sehr konservativ», sagt ein Student
Unter der gleißenden Junisonne bei 30 Grad ist die Stimmung sichtlich ausgelassen: Auf einer Bühne tanzt eine Künstlergruppe in Drag-Kostümen, an Dutzenden Ständen stellen zivilgesellschaftliche Organisationen ihre Arbeit vor. Es werden auch kostenlos HIV-Tests ausgeteilt, Merchandise wird verkauft.
«Ich bin heute gekommen, weil ich schwul bin und zum ersten Mal eine Pride-Veranstaltung erleben wollte», sagt ein 19-jähriger Koreaner, der sich mit seinem englischen Spitznamen David vorstellt. «Südkorea ist nach wie vor sehr konservativ», meint der Universitätsstudent.
Während seiner Schulzeit seien seine Klassenkameraden offen homophob gewesen, erst auf der Uni habe er ein verständnisvolles Umfeld kennengelernt.
Auch wenn Südkorea popkulturell als absolutes Vorreiterland gilt, ist es gesellschaftlich und in Sachen Schwule, Lesben, Transgender im Diskurs sehr traditionell und fühlt sich ganz anders an als etwa die meisten EU-Staaten.
Homo-Feinde sprechen von Sünde oder Kommunismus-Instrument
Wie polarisiert die südkoreanische Gesellschaft beim Thema sexuelle Minderheiten ist, zeigt sich auch an diesem Samstag. Nur wenige hundert Meter von der Pride-Parade entfernt findet - wie jedes Jahr - eine von christlichen Gruppen organisierte Gegendemo statt.