2.150 Drogentote – jeder vierte unter 30 Jahre
Autor: Basil Wegener, dpa
, Dienstag, 07. Juli 2026
Sie sind oft jung, risikofreudig – und bezahlen dafür mit ihrem Leben. Immer öfter werden Jüngere in Deutschland Opfer synthetischer Drogen. Andere haben einen langen Weg mit Sucht hinter sich.
Für 2.150 Menschen in Deutschland hatte der Konsum von Drogen im vergangenen Jahr tödliche Folgen - dabei ist jeder vierte Drogentote jünger als 30. Der Drogenbeauftragte Hendrik Streeck sprach von einer Totenzahl auf Rekordniveau. 2024 hatte es 2.137 Drogentote gegeben.
«Besonders erschüttert mich, dass die Opfer immer jünger werden», sagte Streeck. Seit 2021 sind die Todesfälle unter 30 um mehr als die Hälfte gestiegen, bei den unter 20-Jährigen haben sie sich nahezu verdoppelt. 106 der Toten waren unter 20 Jahre, 422 waren 20 bis 29 Jahre alt. Mit 1.777 Opfern war die überwiegende Zahl der Toten männlich.
Streeck machte für die vielen jungen Opfer auch Mischkonsum von Medikamenten, Alkohol und anderen Substanzen verantwortlich - tödliche Kombinationen. «Viele dieser jungen Menschen können die Risiken noch nicht oder nicht vollständig überschauen.»
Warum junge Menschen tödliche Drogen nehmen
Der Drogenbeauftragte und Mediziner nannte als Gründe junger Menschen, Drogen zu nehmen: psychische Belastung und Krisen - aber auch Neugier und Übermut. «Sucht und Drogenabhängigkeit entstehen selten aus einer einzigen Ursache und so gut wie nie ausschließlich aus der Substanz.» Ursachen seien fehlende Bindung, Sicherheit oder Perspektive, auch wachsende Einsamkeit. Die Verfügbarkeit aller möglichen Drogen sei hoch. Interventionen kämen oft zu spät.
Junge Drogentote hätten insbesondere Medikamente konsumiert. Oft beteiligt: Benzodiazepine, opioidhaltige Schmerzmittel und andere psychoaktive Arzneimittel. Den in den allermeisten Fällen zugrunde liegenden Konsum mehrerer Substanzen nannte Streeck «hochgefährlich».
Aufruf zu mehr Hilfe
Nur rund die Hälfte der Betroffenen bekämen die nötigen Hilfen, sagte der Berliner Substitutionsarzt Thomas Peschel, in dessen Praxis Streeck die Zahlen vorstellte. Es gebe nicht genug ärztlichen Nachwuchs. Grund: Oft sei die Behandlung Abhängiger nach wie vor stigmatisiert.
Für Streeck ist die Frage, «warum wir als Gesellschaft nicht aus diesen Drogentoten-Zahlen lernen.» Er sagte: «Die Drogenproblematik wird oft als Problem des Stadtbilds beschrieben, sie wird als Problem des Bahnhofs beschrieben.» Für Streeck ist das Kernproblem aber, dass Hilfe «an vielen Stellen schwer erreichbar, zu langsam und sehr unterfinanziert» sei.