Hamburger Wolf nun in Sachsenhagen - Töten oder auswildern?
Autor: Christopher Weckwerth, Bernhard Sprengel und Britta Körber, dpa
, Mittwoch, 01. April 2026
Das Tier, das in Hamburg eine Frau verletzt hat, wurde in eine Wildtierauffangstation nach Niedersachsen gebracht. Wie es mit ihm weitergeht, ist offen.
Der junge Wolf, der eine Frau in Hamburg verletzt hat, ist zunächst vorübergehend in einer Wildtierauffangstation bei Sachsenhagen im niedersächsischen Landkreis Schaumburg untergebracht worden. Das teilte die Hamburger Umweltbehörde mit, die nach eigenen Angaben weiterhin für den Wolf zuständig ist. «Zum langfristigen Verbleib des Tieres laufen Gespräche», erklärte ein Sprecher der Behörde.
Der Wolf war bereits am Wochenende im Westen der Stadt gesichtet worden. Am Montag sei er vermutlich durch einen äußeren Reiz, etwa ein Auto oder ein anderes Tier, aktiviert worden, sagte der Sprecher der Umweltbehörde. In der Folge sei er in eine Stresssituation geraten und losgerannt. In einer Geschäftsstraße im Zentrum Altonas habe er sich dann in eine kleine, wenige Meter breite Einkaufspassage mit mehreren Geschäften verirrt.
In der Passage wurde dann die Frau verletzt. Zum genauen Hergang machte die Umweltbehörde keine Angaben, auch um die Privatsphäre der Frau zu schützen, wie es hieß. Senatorin Katharina Fegebank (Grüne) hatte am Dienstag gesagt, die Frau sei im Universitätsklinikum Eppendorf ambulant behandelt worden.
Auch der Wolf verletzt
Der Wolf war nach dem Vorfall mehrere Kilometer durch die Stadt bis in die Binnenalster geflüchtet. Funkstreifenbesatzungen entdeckten ihn schwimmend im Wasser vor und sicherten ihn mit einer Schlinge am Jungfernstieg, wie ein Polizeisprecher sagte. Das Einfangen habe mehr als eine Stunde gedauert.
Das Raubtier habe oberflächliche Verletzungen und Wunden, teilte die Umweltbehörde weiter mit. Es sei tiermedizinisch behandelt und auch auf Tollwut getestet worden, die Auswertung laufe noch. Eine Tollwuterkrankung sei aber unwahrscheinlich. Seit 2008 gelten Wölfe in Deutschland als tollwutfrei.
Viele Fragen sind nach wie vor offen – auch, wie lange der Wolf in seiner jetzigen Station bleiben soll. «Man guckt sich jetzt erstmal an, wie ist der Zustand des Wolfes, lässt ihn zur Ruhe kommen und wird entscheiden, was dann mit ihm passiert», sagte ein Sprecher des Umweltministeriums in Hannover. «Es ist schon gefordert worden, das Tier jetzt zu töten. Das muss entschieden werden.»
Entscheidung soll möglichst bald fallen
Eine Tötung eines gefangen genommenen Tieres wäre demnach ein Sonderfall. «Das wäre trotzdem womöglich eine Option, aber ich kann da nichts vorwegnehmen.» Möglicherweise werde das Tier wieder freigelassen: «Auch eine Auswilderung wäre eine Option», sagte der Sprecher.