Wie gefährlich ist das Hantavirus auf einem Kreuzfahrschiff?
Autor: Simone Humml, dpa
, Mittwoch, 06. Mai 2026
Auf einem Kreuzfahrtschiff wurde das Hantavirus festgestellt. Was das für Passagiere bedeutet und wie Experten das Infektionsrisiko bewerten.
Auf einem kleinen niederländischen Kreuzfahrtschiff ist das Hantavirus aufgetreten. Die «Hondius» war in Argentinien zu einer Atlantik-Kreuzfahrt aufgebrochen. Wie gefährlich ist das Virus?
Was unterscheidet das aufgetretene Andesvirus von unseren Hantaviren?
Es gibt mehrere Typen von Hantaviren, auch in Deutschland. Sie werden meist durch Staub übertragen, der mit Ausscheidungen von Nagetieren kontaminiert ist. Ein großer Teil der Hantavirus-Infektionen in Deutschland verläuft laut Robert Koch-Institut (RKI) symptomlos oder mit unspezifischen Symptomen. Die Viren können aber auch mit Blutungen einhergehendes Fieber und Nierenschäden auslösen.
Eine relevante Mensch-zu-Mensch-Übertragung gebe es bei den meisten Hantaviren nicht, sagte Jonas Schmidt-Chanasit vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNITM) in Hamburg. «Eine wichtige Ausnahme ist jedoch das südamerikanische Andesvirus. Für dieses Hantavirus ist eine Mensch-zu-Mensch-Übertragung bei engem Kontakt beschrieben.»
Es gehört zu einer Gruppe von Hantaviren, deren Infektion etwa zu Übelkeit, Erbrechen, Husten und einer Lungenerkrankung führen kann. Hantavirus-Infektionen haben laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) in Asien und Europa eine Sterblichkeit von unter 1 bis 15 Prozent, in Amerika jedoch von bis zu 50 Prozent.
Die Zahl der bundesweit übermittelten Hantavirus-Erkrankungen variiert laut RKI von Jahr zu Jahr sehr stark. Die durchschnittliche jährliche Zahl der Neuerkrankungen lag demnach zwischen 2010 und 2019 bei 1,3 Fällen pro 100.000 Einwohner - 0,2 für 2013 und 3,5 für 2012.
Wie groß ist das Risiko, dass sich weitere Leute infiziert haben?
Es sei durchaus möglich, dass sich weitere Menschen infiziert haben, sagte Schmidt-Chanasit. «Hantavirus-Erkrankungen haben eine Inkubationszeit, die je nach Virus und Exposition mehrere Tage bis Wochen betragen kann. Deshalb können weitere Fälle auch zeitverzögert auftreten.»
Der Virologe sieht zwei Szenarien der Infektionsquelle: «Erstens könnten sich eine oder mehrere Personen bereits in Argentinien oder im südamerikanischen Expositionsgebiet infiziert und das Virus an Bord gebracht haben. Zweitens sei auch eine Infektion durch Nagetiere an Bord oder durch kontaminierte Lebensmittel, Lagerbereiche, Kabinen, Oberflächen oder Staub denkbar – «etwa wenn Mäuse oder Ratten das Schiff beziehungsweise Vorratsbereiche besiedelt haben».