Wie Fans Attentäter feiern - und welche Gefahren das birgt
Autor: Marco Krefting, dpa
, Freitag, 04. Sept. 2026
Attentätern wird in sozialen Netzwerken gehuldigt. Eine Studie zeigt, wie leicht Minderjährige an solche Inhalte kommen. Warum das die Gefahr weiterer Gewalttaten erhöht, und was man dagegen tun kann.
Ob Amokläufe in Schulen, rassistische oder antisemitische Attentate: Im Grunde kann man die Uhr danach stellen, wann solche Vorfälle im Netz debattiert werden. Da gibt es nicht nur Entsetzen oder Anteilnahme für Opfer und Hinterbliebene. Eine sogenannte Fanszene feiert die Täter. Die Landesanstalt für Kommunikation Baden-Württemberg (LFK) hat sich das Phänomen im Rahmen einer Schwerpunktanalyse genauer angeschaut.
Was ist die «Attentäter-Fanszene»?
Auf sozialen Netzwerken kursieren Inhalte, die Attentätern oder Amokläufern huldigen. Nutzer und Nutzerinnen heroisieren sie, suggerieren romantische oder freundschaftliche Beziehungen zu ihnen oder verherrlichen, verharmlosen oder billigen ihre Taten.
Mit Blick auf Rechtsterroristen hält der Verfassungsschutz Baden-Württemberg fest, dass Online-Akteure der «Attentäter-Fanszene» oft recht jung seien. «Dennoch weisen sie eine extreme Gewaltaffinität auf, wodurch sie innerhalb der Szene sowohl sich selbst als auch andere Personen immer weiter radikalisieren.»
Wie gefährlich ist das?
Zum einen werden Menschen laut Verfassungsschutz im Extremfall dazu motiviert, Gewaltfantasien umzusetzen. «Die Attentäter-Fanszene gilt dabei auch deshalb als besonders gefährlich, weil sie sich selbst verstärkt», heißt es ähnlich in der LFK-Schwerpunktanalyse. Jede Gewalttat könne zu einer neuen Welle an Fan-Inhalten führen.
Zum anderen können derartige Darstellungen und Kommentare gegen Jugendschutzrecht verstoßen, wie die für den Jugendmedienschutz im Internet zuständige LFK betont. Werden Straftaten gebilligt, könnte das außerdem strafrechtlich relevant sein.
Wie sehen solche Inhalte aus?
Ganz unterschiedlich: Es gibt KI-generierte Videos, in denen Täter tanzend gezeigt werden, während die Anzahl der ermordeten Opfer eingeblendet wird (Rampage-Dance-Videos). Es gibt Gameplay-Videos, in denen Anschläge oder Amokläufe nachgespielt werden. «Ziel ist dabei oft, die eigentliche Tat zu übertrumpfen», sagt ein LFK-Experte. So gehe es etwa beim nachgestellten Anschlag auf die Synagoge von Halle (Saale) darum, anders als der echte Täter in das Gebäude zu gelangen und dort zu töten.
Um zu verhindern, dass Videos schnell gefunden und gelöscht werden, nutzen Ersteller solcher Inhalte demnach Umschreibungen, Emojis oder abgewandelte Schreibweisen (Algospeak). Täter würden beispielsweise als «Schauspieler» bezeichnet, Hashtags suggerierten ein fiktives Geschehen, und in Texten stehe in Bezug auf die Opfer-Zahl, dass Täter soundsoviele «Umarmungen»/«Geschenke» verteilt hätten.