Wie die Biernation zur Aperölchenrepublik wurde
Autor: Gregor Tholl und Jonas-Erik Schmidt, dpa
, Dienstag, 04. August 2026
Manche kriegen schon beim Anblick Kopfweh, andere nie genug davon. Die Rede ist von Aperol Spritz, einem Trendgetränk seit Jahren - mit eigenen Songs und vielen Fans. Wie konnte es so weit kommen?
Es gibt diese Momente, in denen Menschen ganz bei sich zu sein scheinen. Das gilt auch für Gruppen. Für das «ZDF Fernsehgarten»-Publikum etwa auf dem Mainzer Freigelände. Das schien schon einige Male für ein paar Minuten in einem Zustand vollkommener Glückseligkeit zu sein. Grund war ein orange-rotes Kultgetränk: Aperol Spritz.
Mit Polonaisen feierten Hunderte Fernsehgarten-Gäste zusammen mit Kiwi - der Moderatorin Andrea Kiewel - und dem Schweizer Schlagersänger Vincent Gross bei mehreren Gelegenheiten ein Lied über den bittersüßen Drink: «Ich trink’ heut, das ist kein Witz - Aperol, Aperol, Aperol Spritz».
Welches Getränk hat schon einen eigenen Schlager?
Der sommerliche Partysong wurde im Mai 2024 veröffentlicht. Spätestens seitdem ist der fröhlich besungene Longdrink, der mit seiner leuchtenden Farbe sehr instagram-tauglich ist, im deutschsprachigen Raum Kult. Welches Getränk hat schon einen eigenen Song? Okay, «Eisgekühlter Bommerlunder». Und «Griechischer Wein». Und «Wildberry Lillet». Aber sonst?
Die Aperol-Spritz-Welle rollt hierzulande natürlich schon viel länger als nur zwei Jahre. Eigentlich fast zwei Jahrzehnte. Der Spritz (oder auch Sprizz) stammt aus Italien. In der nordöstlichen Region Venetien war er jahrzehntelang ein populärer Aperitif am frühen Abend.
Aperol - ein Likör aus Rhabarber, Blutorange, Gelbem Enzian, Chinarinde, Kräutern, Zucker und Farbstoff - wurde 1919 von zwei Brüdern in Padua erfunden. Er hatte seitdem eine bewegte Geschichte bis hin zum Verkauf an die Campari Group mit Sitz in Mailand.
Der Konzern setzte seit dem Zukauf im Jahr 2003 in seiner globalen Marketingstrategie vollends auf Spritz. Das Rezept: Weißwein oder Prosecco auf Eis, der farbgebende Aperol-Likör (von dem es inzwischen einige Imitate gibt und auch alkoholfreie Varianten), ein bisschen Soda, ein Stückchen Orangenschale.
Erinnert sich noch jemand an den Trend-Drink Hugo?
Ab etwa 2006 brachten Deutsche diesen Drink mit aus dem Italien-Urlaub. Von München aus, der ja im Klischee eh «nördlichsten Stadt Italiens», breitete sich der Aperölchen-Trend über die ganze Republik aus - bis ins hinterste Kaff. Der flächendeckende Durchbruch in Handel und Gastronomie erfolgte so etwa ab dem Jahr 2010.