«White Tiger»: Mutmaßlicher Pädokrimineller vor Gericht
Autor: dpa
, Freitag, 09. Januar 2026
Seine Opfer waren jung und besonders verletzlich. Er, kaum älter, soll seine Opfer dazu überredet haben, sich selbst zu töten. Ein 13-Jähriger starb. Nun steht der «White Tiger» vor Gericht.
Insgesamt 204 Straftaten soll der unter seinem Foren-Namen «White Tiger» bekanntgewordene mutmaßliche Pädokriminelle über das Internet und Kontinente hinweg begangen haben. Darunter laut Anklage auch einen vollendeten und fünf versuchte Morde. Nun steht der 21-jährige Deutsch-Iraner in Hamburg vor Gericht.
Seine Opfer laut Anklage: mehr als 30 Kinder und Jugendliche unter anderem aus Deutschland, England, Kanada und den USA. Nicht alle sind nach Angaben des Gerichts namentlich bekannt. Eine junge Finnin - die ebenfalls von ihm missbraucht worden sein soll - wurde als Nebenklägerin zugelassen.
Verfahren unter Ausschluss der Öffentlichkeit
Der Prozess - der wegen des minderjährigen Alters des Angeklagten bei der Begehung der Taten unter Ausschluss der Öffentlichkeit vor einer Jugendkammer des Landgerichts geführt wird - begann mit rund halbstündiger Verspätung. Eine Schöffin hatte es wetterbedingt nicht pünktlich ins Gericht geschafft.
Vor der Verhandlung hatten sich nach Angaben der Verteidigung auch die Eltern des Angeklagten vor dem Saal eingefunden. Sie hätten ihren Sohn kurz in den Arm nehmen dürfen, sagte Anwältin Christiane Yüksel. Hintergrund sei ein Vorfall am Vortag gewesen, bei dem der 21-Jährige im Untersuchungsgefängnis von anderen Gefangenen verprügelt worden sei und der die Eltern sehr beunruhigt habe. Der Richter habe der Begegnung deshalb zugestimmt.
Anklageverlesung noch nicht abgeschlossen
Yüksel zufolge konnte die Verlesung der Anklage am ersten Prozesstag noch nicht abgeschlossen werden. Die Staatsanwaltschaft sei lediglich bis Seite 26 der über 100 Seiten umfassenden Anklageschrift gekommen.
Gegenstand des ersten Verhandlungstages sei auch der Gesundheitszustand des Angeklagten gewesen. Ihr Mandant habe sich trotz des Vorfalls vom Vortag nicht für verhandlungsunfähig erklärt, sagte die Verteidigerin. «Er hatte nach wie vor Schmerzen, war mitgenommen».
Insgesamt sind bis Dezember 82 Verhandlungstermine anberaumt. Im Falle einer Verurteilung wegen Mordes drohen dem Angeklagten nach Jugendstrafrecht maximal zehn Jahre Gefängnis, wie eine Gerichtssprecherin sagte.