Wenn Feuerwehren umsonst ausrücken
Autor: Christian Thiele, dpa
, Sonntag, 17. Mai 2026
Brandmeldeanlage können Leben retten und Betriebe vor hohen Schäden bewahren. Doch manchmal schlagen sie grundlos Alarm. Das bleibt nicht ohne Folgen.
Feuerwehren in Deutschland müssen jährlich zu Zehntausenden Einsätzen ausrücken, die keine Notfälle sind. Weil Brandmeldeanlagen Alarm schlagen, werden Feuerwehrleute zum Beispiel zu Betrieben gerufen, obwohl es dort nicht brennt oder eine Gefahr droht. Die Rede ist dann von einem Falschalarm. Das bindet Einsatzkräfte und kann schlimmstenfalls dazu führen, dass bei einem Unfall oder tatsächlichen Brand Hilfe erst später eintrifft, wie Feuerwehren übereinstimmend warnen. Dagegen regt sich Unmut.
Wie groß das Problem ist, zeigt die Statistik aus den Bundesländern: In Baden-Württemberg zählte die Feuerwehr im vergangenen Jahr 29.494 Einsätze, die vor Ort laut Landesinnenministerium als Fehlalarm eingestuft wurden. 60 Prozent davon seien durch automatische Brandmeldeanlagen verursacht worden, weil sie zum Beispiel wegen Wasserdampf oder Staub anschlugen.
Wie ist die Lage in anderen Teilen Deutschlands?
In Frankfurt am Main kommt es laut Feuerwehr jährlich zu etwa 4.800 Alarmierungen von Brandmeldeanlagen - in nur drei Prozent der Fälle habe es tatsächlich gebrannt. Die Feuerwehr im thüringischen Stadtroda verzeichnete 2025 insgesamt 32 Fehleinsätze - bei 136 Einsätzen insgesamt.
In Bayern gab es dem Landesfeuerwehrverband zufolge 2024 etwa 19.200 Fehlalarme. In der Landeshauptstadt München schlugen vor zwei Jahren den dortigen Behörden zufolge die 4.696 Brandmeldeanlagen insgesamt 8.547-mal wegen möglicher Brände an - in 1.375 Fällen sei ein Feuer bekämpft worden. Vielerorts liegen noch keine Daten für das vergangene Jahr vor.
Um welche Anlagen geht es genau?
Konkret geht es um Brandmeldeanlagen, die in der Regel angebracht werden müssen, weil es die Bauordnung oder Versicherung vorschreibt. Sie sind im Gegensatz zu den Rauchmeldern in Wohngebäuden meist mit der Rettungsleitstelle verbunden, sodass sofort bei der Feuerwehr Alarm geschlagen wird. Sie rückt aus, um zu überprüfen, ob es wirklich brennt.
Meist fahren die Feuerwehrleute umsonst los. «Das Problem ist sehr groß», sagte Jonas Schwering, Abteilungsleiter für Vorbeugenden Brandschutz in Frankfurt am Main. «Wir wissen, dass die überwiegende Anzahl der Alarmierungen ungefähr zu 96 bis 97 Prozent Falschalarme sind.»
Mehr Anlagen, mehr Falschalarme?
Die Zahl dürfte weiter steigen, vermutet Jürgen Weiß vom Landesfeuerwehrverband Bayern. «Die Zahl der Brandmeldeanlagen steigt nicht nur in Bayern täglich, sondern wegen neuer Bauvorhaben bundesweit.» Diese verursachten dann auch mehr Alarme aus den unterschiedlichsten Gründen.