Dann aber berichtete eine Indonesierin, sie habe sich in der Gruppe nicht anmelden können, während ihr ausländischer Ehemann problemlos akzeptiert worden sei. Das traf bei der Bevölkerung einen empfindlichen Nerv. Es entzündete sich eine heftige Debatte, die auch international Schlagzeilen machte.
Die Folge: Die beiden niederländischen Gründer dürfen wegen mutmaßlicher Verstöße gegen Einwanderungsbestimmungen und des Vorwurfs der Diskriminierung nicht mehr nach Indonesien einreisen. Die Männer hätten ohne entsprechende Genehmigung Veranstaltungen organisiert, die nach Ansicht der Behörden faktisch nur Ausländern offenstanden, hieß es. «Es darf aber keinen Staat im Staate geben», betonte der Generaldirektor der Einwanderungsbehörde, Hendarsam Marantoko.
Insel mit einzigartiger Kultur
Aber warum eigentlich Bali? Was lockt so viele Reisende an? Die Antwort liegt in einer Mischung, die weltweit ihresgleichen sucht: tropisches Klima, vergleichsweise niedrige Lebenshaltungskosten, eine große internationale Gemeinschaft und eine Infrastruktur, die wie geschaffen scheint für Menschen, die nur einen Laptop und eine Internetverbindung zum Arbeiten brauchen. Hinzu kommen die einzigartige hinduistisch geprägte Kultur der Insel, bunte Tempelzeremonien und die herzliche Gastfreundschaft vieler Balinesen.
Und die wollen die Ausländer auch gar nicht vertreiben. Der Tourismus ist seit Jahrzehnten eine der wichtigsten Einnahmequellen der Insel. Manche digitale Nomaden engagieren sich auch in Umweltprojekten und lernen Indonesisch. Die Kritik richtet sich vielmehr gegen diejenigen, die sich dauerhaft niederlassen, ohne sich für die Kultur und die Regeln ihres Gastlandes zu interessieren.
Warnung vor Ausländer-Enklaven
Die Kontroverse um die Laufgruppe hat deshalb einen Nerv getroffen. Für viele Balinesen ging es nie nur um eine Laufgruppe, sondern um die grundsätzliche Frage, ob es eine Parallelgesellschaft auf Bali geben darf - und wie viel Veränderung die Insel überhaupt noch verkraften kann. Das gilt nicht nur für Canggu, sondern auch für andere beliebte Orte wie Ubud und Uluwatu.
Die Regionalregierung müsse endlich schärfer durchgreifen, wenn Ausländer die Regeln und Traditionen missachteten, fordert die Tourismusanalystin Hilda Ansariah Sabri. Gleichzeitig warnt sie davor, reine Expat-Enklaven entstehen zu lassen, die langfristig Einheimische vom Arbeitsmarkt und aus ihren Wohngebieten verdrängen könnten.
Explodierende Immobilienpreise
«Es bringt wenig, hohe Deviseneinnahmen zu erzielen, wenn die Menschen vor Ort kein friedliches Leben mehr führen können», sagt auch der Tourismusprofessor I Putu Anom von der örtlichen Udayana-Universität. Vor allem die explodierenden Grundstücks- und Immobilienpreise machen es vielen Balinesen zunehmend unmöglich, in ihrer eigenen Heimat noch ein Haus zu bauen oder zu kaufen.
Immer mehr Familien verpachten oder verkaufen deshalb ihr Land an wohlhabende Investoren. Und sie fragen sich gleichzeitig, wie Bali seinen einzigartigen Charakter bewahren soll, wenn ausgerechnet jene Menschen an den Rand gedrängt werden, die die Kultur der Insel seit Generationen lebendig halten. Die Hotelangestellte Giri ist längst nicht mehr die Einzige, die um ihre Heimat weint.