Weißer Ring für breiteren Einsatz elektronischer Fußfesseln
Autor: dpa
, Samstag, 03. Oktober 2026
Die Opferschutzorganisation Weißer Ring sieht beim Thema elektronische Fußfesseln Spanien als Vorbild und verweist auf dortige Erfolge beim Schutz von Frauen vor Tätern. Um was es genau geht.
Die Opferschutzorganisation Weißer Ring spricht sich für einen breiteren Einsatz elektronischer Fußfesseln aus und nennt Spanien als Vorbild beim Schutz von Opfern häuslicher Gewalt. Auch die Reform des Gewaltschutzgesetzes geht der Bundesvorsitzenden Barbara Richstein und ihrem bisherigen Vize Patrick Liesching, inzwischen Ehrenvorsitzender, nicht weit genug, wie sie der Deutschen Presse-Agentur in Mainz sagten.
Trotz der im Sommer 2027 in Kraft tretenden Reform werde hierzulande im politischen Raum mit Blick auf die Zukunft nur von einer niedrigen dreistelligen Zahl an Fußfesseln im Gewaltschutzgesetz-Verfahren gesprochen, sagte Liesching. Es werde mit 200 bis 300 Probanden gerechnet. In Spanien seien durchgängig etwa 4.500 Männer im Fußfessel-Programm, bei einer deutlich geringeren Einwohnerzahl.
«Fußfessel nächstes Jahr effektiv auf die Straße bringen»
Bei solch vergleichsweise geringen Zahlen in Deutschland sei die Sorge des Weißen Rings, dass kein nennenswerter Effekt beim Schutz von Opfern häuslicher Gewalt erzielt werde. «Gegner der Fußfessel könnten sagen: Seht her, die Fußfessel bringt ja gar nichts», warnte Liesching. «Deswegen ist es aus unserer Sicht wichtig, dass man die Fußfessel nächstes Jahr effektiv "auf die Straße" bringt, nicht nur in ein paar hundert Fällen.»
Der Bundesrat hatte im Juni die vom Bundestag bereits beschlossene Reform des Gewaltschutzgesetzes gebilligt, die ab Sommer 2027 Wirkung entfaltet. Damit soll der Einsatz elektronischer Fußfesseln Opfer häuslicher Gewalt künftig besser vor erneutem Kontakt mit dem Täter schützen.
Wann sonst eine Fußfessel zum Einsatz kommen kann
Auf Grundlage von Ländergesetzen ist ein solcher Einsatz unter bestimmten Umständen schon möglich. Außerdem ist der Einsatz elektronischer Fußfesseln bundesweit bei Tätern möglich, die ihre Strafe vollständig verbüßt haben oder aus der Sicherungsverwahrung entlassen wurden, wenn eine erhebliche Rückfallgefahr besteht.
Auf richterliche Anordnung kann eine elektronische Fußfessel bei Gefährdern zur Terrorabwehr verwendet werden. Bei ausreisepflichtigen oder ausgewiesenen Ausländern, von denen eine erhebliche Gefahr ausgeht, können damit räumliche Beschränkungen oder Kontaktverbote überwacht werden.
In Spanien gebe es die elektronische Fußfessel landesweit seit 15 Jahren und es seien große Erfolge erzielt worden, sagte Liesching. Bereits kurz nach Einführung sei die Zahl der Femizide um 25 Prozent gesunken. «Bei uns wären das umgerechnet mehr als 60 Frauen im Jahr, die nicht getötet würden.»