Wirbel um Buchhandlungspreis: Weimer sagt Verleihung ab
Autor: Sabrina Szameitat und Verena Schmitt-Roschmann, dpa
, Dienstag, 10. März 2026
Der Kulturstaatsminister streicht drei linke Buchläden aus einer Preisliste und sorgt damit für Kritik. Nun kippt er die Verleihung auf der Leipziger Buchmesse. Längst geht es ums Grundsätzliche.
Erst ließ Kulturstaatsminister Wolfram Weimer drei linke Buchläden wegen «verfassungsschutzrelevanter Erkenntnisse» von der Liste streichen - jetzt hat er die Verleihung des Deutschen Buchhandlungspreises auf der Leipziger Buchmesse überraschend komplett abgesagt. Die Veranstaltung war für den 19. März geplant. Es ist die Eskalation eines Streits, bei dem es um weit mehr geht als um einen bislang eher unscheinbaren Branchenpreis.
Mit seiner Entscheidung gegen die drei Buchläden in Berlin, Bremen und Göttingen hatte der parteilose Weimer schon vergangene Woche scharfe Kritik auf sich gezogen. Jetzt wurde Sven Lehmann, der Vorsitzende des Kulturausschusses im Bundestag, grundsätzlich. «Kein Jahr ist Wolfram Weimer im Amt und schon hat er tonnenweise Porzellan zerschlagen», sagte der Grünen-Politiker. «Offenbar ist er dieser wichtigen Aufgabe nicht gewachsen.» Der Linken-Politiker David Schliesing stimmte ein: «Dieser Kulturstaatsminister ist eine absolute Fehlbesetzung und Gefahr für die Kunst- und Kulturfreiheit hierzulande.»
Streit über Kunst- und Meinungsfreiheit
Die drei linken Läden waren in der Vergangenheit mit dem Buchhandlungspreis bedacht worden, und auch in diesem Jahr hielt sie eine Fachjury der Auszeichnung für würdig, die jährlich mit Preisgeldern von 7.000 bis 25.000 Euro an rund 100 kleine Buchläden verliehen wird. Weimer argumentierte hingegen, der mit Steuergeld finanzierte Preis dürfe nicht «an Feinde des Staates» gehen, wie er es im Kulturausschuss des Bundestags ausdrückte.
Auf Fragen der Deutschen Presse-Agentur stellte er dann vergangene Woche klar: «Kunst- und Meinungsfreiheit sind die wichtigsten demokratischen Errungenschaften, die ich immer verteidigen werde. Kulturpolitik hat aber auch eine Verantwortung, wenn es um die Verteilung von Steuergeldern geht.» Mit Steuergeldern finanzierte Preise sollten nur an Institutionen gehen, «die über jeden Zweifel erhaben sind».
Solidarisierung der Kulturbranche
Da lief die Debatte über staatliche Eingriffe in den Kulturbetrieb schon auf Hochtouren. Die drei betroffenen Buchläden - der Golden Shop (Bremen), die Rote Straße (Göttingen) und der Laden Zur schwankenden Weltkugel (Berlin) - kündigten an, gegen Weimers Entscheidung zu klagen. Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels erhob Bedenken, ebenso die Koalitionspartei SPD. Die Opposition von Grünen und Linken im Bundestag war ohnehin empört.
Zuletzt äußerte auch die Autorenvereinigung PEN Deutschland große Sorge. «Nicht nur der Preis ist damit beschädigt, sondern das Ansehen einer ganzen Branche – und das unserer politischen Entscheider», teilte PEN Deutschland zu Wochenbeginn mit. «Wehret den Anfängen – ansonsten werden wir im Handumdrehen "amerikanische" Zustände haben.»
Die AfD verlangt indes weitere Aufklärung dazu, welche verfassungsschutzrelevanten Erkenntnisse zu den ausgeschlossenen Buchhandlungen vorlägen. Zudem gehöre der gesamte Buchhandelspreis auf den Prüfstand gestellt. «Staatliche Förderpreise dürfen nicht dazu beitragen, politisch extremistische Milieus zu legitimieren oder finanziell zu stärken», erklärte der kulturpolitische Sprecher der Bundestagsfraktion, Götz Frömming.