Warum sich die Bahn bei Extremwetter so schwertut
Autor: Matthias Arnold, dpa
, Montag, 12. Januar 2026
Ob Hitze, Stürme oder Schnee wie am Wochenende: Bei Extremwetterlagen können sich Fahrgäste auf die Bahn oft nicht verlassen. Das hat Fachleuten zufolge auch politische Gründe.
Der derzeitige Winter zeigte im Norden Deutschlands am vergangenen Wochenende mit Sturm «Elli» erstmals was in ihm steckt - und stürzte damit weite Teile des Landes in ein Verkehrschaos. Insbesondere auf der Schiene geriet der Verkehr aus den Fugen. Fahrgäste mussten Verspätungen und Zugausfälle hinnehmen. Die Bahn stellte den Fernverkehr in der betroffenen Region zeitweise sogar komplett ein. Am Hamburger Hauptbahnhof strandeten Tausende Reisende.
Bahn sieht sich gut aufgestellt
Viele stellen sich deshalb derzeit wieder die Frage: Warum gerät die Bahn auch bei erwartbaren Extremwetterlagen wie Schnee im Winter immer wieder in Bedrängnis? Zumal das Unternehmen selbst behauptet, technisch ausreichend für solche Situationen gerüstet zu sein. Immerhin 7.800 der 9.230 Weichen in der Region seien beheizt, teilte das Unternehmen auf Anfrage mit. Bundesweit sind es den Angaben zufolge 50.000 von 70.000, also knapp drei Viertel der Anlagen.
Auch die Räumtechnik habe funktioniert und reiche aus, betonte die Bahn. «Mit Spurloks wurde auch nachts gefahren, um die Strecken freizubekommen und dass die Oberleitung nicht vereist.» Insgesamt gebe es rund 100 Räumfahrzeuge, die bundesweit im Einzelfall entsprechend disponiert werden könnten.
Flache Länder betroffen
Allerdings: Niedersachsen und Schleswig-Holstein seien per se stärker von solchen Extremwetterlagen betroffen, weil das Land flach sei, teilte die Bahn weiter mit. Und auch beheizte Weichen heizten nicht alle Probleme weg. Sie funktionierten etwa nicht, wenn zu viel Schnee und von Zügen herabgefallene Eisbrocken die Weichen blockierten.
Dann müssten sie manuell freigeräumt werden. «Das haben jeden Tag Hunderte Kollegen erledigt; zum Teil mehrmals täglich nach erneuten Verwehungen und Vereisungen», betonte der Konzern.
Fachleute haben Zweifel
All das reichte aber offenkundig nicht aus, um den Fernverkehr grundsätzlich aufrechtzuerhalten. Fachleute haben deshalb erhebliche Zweifel daran, dass die Bahn ausreichend für solche Wetterlagen gerüstet ist.
Im Vergleich zu vergangenen Jahrzehnten habe sie etwa deutlich weniger Räumfahrzeuge und auch nicht genügend Personal für die Räumung von festgefrorenen Weichen, kritisierte der Fahrgastverband Pro Bahn im «Spiegel». Insbesondere vor Ort habe es früher bei der Bundesbahn mehr Beschäftigte für solche Aufgaben gegeben, teilte Pro-Bahn-Ehrenvorsitzender Karl-Peter Naumann auf Anfrage mit.