Warum die Rede vom Krapfen so kompliziert ist
Autor: Gregor Tholl, dpa
, Donnerstag, 15. Februar 2024
Sie heißen Krapfen, Berliner, Pfannkuchen und so weiter: gefüllte Hefeteilchen, die in Fett ausgebacken werden. In der Karnevalszeit gehen wieder Millionen von ihnen über die Bäckertheken.
Wie nennen Sie einen gebratenen flachen Kloß aus Hackfleisch - Frikadelle? Bulette? Klops? Fleischpflanzerl? Faschiertes Laibchen? Oder noch mal ganz anders? Im Deutschen gibt es einiges, bei dessen Bezeichnungen man etwas über die Vielfalt der Sprache lernt und die Herkunft der sprechenden Person feststellen kann.
Im Februar ist im deutschsprachigen Raum insbesondere folgende Frage geeignet: Wie heißt ein «in schwimmendem Fett gebackenes, meist mit Marmelade gefülltes, kugelförmiges Gebäckstück aus Hefeteig»?
Die von vielen - aber eben nicht von allen - «Berliner» genannte Backware ist ein Naschwerk, das traditionell gern zu Karneval (und außerdem zu Silvester) gegessen wird. Es wird meistens mit Puderzucker oder Zuckerguss verziert. Die jüdische Küche kennt mit «Sufganijot» (oft auch mit «y» statt «j» oder nur mit «i» geschrieben) ein sehr ähnliches Fettgebäck, das zum Chanukkafest gereicht wird.
Mehr als nur Fruchtfüllung
Neben der üblichen Fruchtfüllung gibt es beim «Berliner» auch Eierlikör-, Schokosoßen- oder Vanillepuddingfüllung. Fans lieben den hefig-süßen Duft und die goldbraune Farbe - blass darf nur der Kragen sein, das ist der ungefähr daumendicke Rand rundherum, der idealerweise gleichmäßig ist. Natürlich gibt es wie bei jeder Speise auch viele Menschen, die das alles gar nicht mögen, die die Kalorienbombe sogar verabscheuen.
Nach Angaben vom Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks (unter Berufung auf GfK-Zahlen) werden jedes Jahr mehr als 350 Millionen «Berliner» allein in Deutschland verkauft. Der vorherrschende Name stammt wohl daher, dass nach einer jahrhundertelangen Vorgeschichte unter anderem ein Bäcker aus Berlin im 18. Jahrhundert für eine weitere Verbreitung des Fettgebäcks gesorgt hat.
«Es gibt im Wesentlichen vier verschiedene Bezeichnungen im deutschsprachigen Raum», sagt der Sprachforscher Stephan Elspaß von der Universität Salzburg, der einst das einschlägige populärwissenschaftliche Büchlein «Grüezi, Moin, Servus! Wie wir wo sprechen» mitverfasst hat. «Im Osten Deutschlands sagt man «Pfannkuchen», im Westen - also Nordwesten, im Südwesten und ganz im Westen, einschließlich Ostbelgien - «Berliner»; in Bayern, Österreich und Südtirol «Krapfen» oder «Faschingskrapfen» und hauptsächlich in Hessen «Kräppel», das eine Lautvariante von Krapfen ist.»
«Berliner» und «Pfannkuchen» seien jeweils eigentlich nur Abkürzungen für «Berliner Pfannkuchen». In Baden-Württemberg sowie im Raum Pfalz/Saarland sagten manche auch «Fastnachtsküchle» oder «Fastnachtsküchelchen».