Warum die Brände in Frankreich und Spanien Rekorde brechen
Autor: Doreen Garud, dpa
, Dienstag, 28. Juli 2026
Hitze, Trockenheit, Verbuschung: Feuer haben es in Südwesteuropa zunehmend leicht, zum Flammen-Inferno zu werden. Ausgerechnet Regen hat die Gemengelage in diesem Jahr noch verschärft.
In Spanien wütet der größte Waldbrand in der jüngeren Geschichte des Landes. In Frankreich erreichen die Feuer mit etwa 100.000 Hektar verbrannter Fläche seit Jahresbeginn einen historischen Rekordwert. Dabei ist die Waldbrand-Saison noch lange nicht vorbei - im Gegenteil, eigentlich geht sie im August erst so richtig los.
Warum sind die Waldbrände in Frankreich und Spanien so gewaltig?
Ein wichtiger Faktor waren die starken Niederschläge im Januar und Februar. Damals brach ein Wintersturm nach dem nächsten über die beiden Länder herein: Felder wurden überschwemmt, Autos in braunen Fluten davongerissen, unzählige Strommasten gekippt.
«Nach feuchten Wintern gibt es in Südwesteuropa beste Wachstumsbedingungen für die Pflanzen», sagt die Klimawissenschaftlerin Julia Miller vom Schweizerischen WSL-Institut für Schnee- und Lawinenforschung SLF. Gräser, Sträucher und Unterholz schossen in die Höhe. «Durch die dann folgenden zwei Hitzewellen ist die Vegetation ausgetrocknet, weshalb sich Brände schnell und stark ausbreiten können, sobald eine Zündquelle auftritt.»
Welche Rolle spielen Wolken und Winde?
Tatsächlich sind die Brände so heftig, dass sie teilweise wohl ihr eigenes Wetter erzeugten: Über besonders heißen und großen Waldbränden können spezielle Gewitterwolken entstehen, Pyrocumulonimbus genannt. Diese Feuerwolken sorgen für gewaltige Windböen, was die Brände weiter anfacht, und aus ihrem Inneren können Blitze zum Boden zucken.
Möglicherweise sind bei den immensen Bränden in der Nähe von Bordeaux in Frankreich solche Wolken entstanden - was absolut außergewöhnlich wäre. «Sie sind in Europa sehr selten», sagte Jason Müller, der am Leibniz-Institut für Troposphärenforschung in Leipzig diese Wolkenform erforscht. In Portugal habe es 2017 welche gegeben, sonst seien keine bekannt.
Laut Christophe Chantepy, einem Brandschutz-Experten beim Nationalen Forstamt Frankreichs, sind diese Art von Wolken auch deswegen so gefährlich, weil sie das Feuer unberechenbar machten. «Neue Brände sind viel wahrscheinlicher, da glühende Trümmer, also brennende Pflanzenreste, aus der Konvektionssäule herausgeschleudert werden können», sagte er der Zeitung «Le Monde».
Was steht Südwesteuropa noch bevor?
«Jede weitere Hitzewelle macht die Situation nicht besser», sagt Miller, die gerade eine Studie zu sich gegenseitig verstärkenden Waldbrandrisiken veröffentlicht hat. Sie habe eine Skizze gemalt, welche die Lage illustriert: «Eine Sonne mit einem Strohhalm, mit dem sie die Feuchtigkeit aus Boden und Pflanzen zieht.» Je wärmer es sei, desto mehr Feuchtigkeit könne die Atmosphäre aufnehmen, und desto schneller ziehe sie die Feuchtigkeit aus Seen, Flüssen, Pflanzen und Boden.