Wie eine EU-App Türsteher für Kinder im Netz spielen soll
Autor: Niklas Treppner, dpa
, Mittwoch, 15. April 2026
Ob Pornos oder Horror-Filme: Kinder sollten im Netz nur jugendfreie Inhalte nutzen dürfen. Auf Vieles haben sie in der Realität trotzdem Zugriff. Die EU will das mit einer neuen App verhindern - bald.
In der Debatte um den Schutz von Kindern und Jugendlichen im Netz wirbt die Europäische Kommission für eine EU-App zur digitalen Altersüberprüfung. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen ruft Deutschland und andere Mitgliedstaaten dazu auf, ihren Bürgerinnen und Bürgern eine nationale Version zur Verfügung zu stellen. Die Vorlage dafür sei nun «technisch fertig».
Für Internetnutzerinnen und -nutzer könnte die App schon bald das Surfen im Netz entscheidend verändern. Inhalte mit Altersbeschränkung, etwa Pornos oder Horrorfilme, könnten dann nur noch nach einer Altersprüfung zugänglich sein. Antworten auf die wichtigsten Fragen:
Wie funktioniert die App?
Die Verifikations-App soll es ermöglichen, das Alter von Nutzerinnen und Nutzern anonym zu prüfen, ohne persönliche Daten wie Name oder Geburtsdatum zu speichern. Dafür können Nutzer etwa ihren Personalausweis oder Reisepass abfotografieren und zum Beispiel mit der Frontkamera ihres Handys einen Scan von ihrem Gesicht machen. Die App gleicht beides ab.
Anschließend soll sie lediglich speichern, ob eine Person laut der Angaben auf dem Ausweisdokument eine gewisse Altersgrenze überschritten hat. Wenn man nun altersbegrenzte Seiten oder Inhalte aufrufen will, kann die App bestätigen, ob die Nutzerin oder der Nutzer das darf. Die von der EU entwickelte Software gibt dabei laut Europäischer Kommission aber nur die Information weiter, ob die Person alt genug ist, nicht etwa das Geburtsdatum oder andere Details.
Wann kann (oder muss) man die App in Deutschland nutzen?
Deutschland hat die App - anders als etwa Dänemark, Frankreich, Spanien, Griechenland und Italien - bisher nicht getestet. Die Bundesrepublik gehört auch nicht zu den sieben Mitgliedstaaten, die bereits angekündigt haben, die App in die geplante digitale Brieftasche der EU einbinden zu wollen. Diese soll ab Anfang 2027 in allen EU-Staaten zur Verfügung stehen.
Die Bundesregierung plant laut Digitalminister Karsten Wildberger (CDU), dort auch eine auf Deutschland zugeschnittene Altersüberprüfung für Menschen ab 16 Jahren zu ermöglichen. Allerdings könnten auch private Anbieter die Vorlage der EU nutzen und auf Deutschland zugeschnittene Versionen anbieten. Dann könnte sie schon innerhalb der nächsten Monate etwa im App Store oder bei Google Play zur Verfügung stehen.
Müssen Online-Angebote das Alter überprüfen?
Für das Surfen im Netz ist zudem entscheidend, ob die Internetseiten und Online-Plattformen die App einbinden werden. TikTok, Instagram und andere Online-Riesen sind nach Ansicht der EU wegen des Gesetzes über digitale Dienste (Digital Services Act, kurz DSA) dazu verpflichtet, mit einer angemessenen Altersverifikation den Schutz von Minderjährigen sicherzustellen. Zumindest dann, wenn sie auch Inhalte anbieten, die Kinder gefährden oder verstören könnten.