Vergewaltigung in Jugendzentrum? Zunächst keine Anzeige
Autor: dpa
, Mittwoch, 11. März 2026
Erst als sich das Opfer einer Polizistin anvertraut, kommt der Fall ans Licht: Eine mutmaßliche Vergewaltigung in einem Jugendzentrum blieb offensichtlich lange ungemeldet. Was sind die Gründe?
Ein Mädchen soll in einem Jugendzentrum in Berlin-Neukölln von Jugendlichen vergewaltigt und bedrängt worden sein - doch die Polizei erfährt davon erst spät. Weder die Einrichtung noch später das zuständige Jugendamt des Bezirks Neukölln erstatten zunächst Anzeige. Das Jugendamt kündigt nun eine Untersuchung an - und räumt Fehler ein. Das Landeskriminalamt (LKA) und die Berliner Staatsanwaltschaft ermitteln.
«Das Jugendamt hat keine Strafanzeige wegen der Vergewaltigung und der sexuellen Gewalt gegenüber der Jugendlichen gestellt. Nach dem heutigen Kenntnisstand war das ein Fehler», teilte die zuständige Stadträtin Sarah Nagel (Linke) mit. Die mutmaßlichen Täter dürften die Einrichtung nicht mehr betreten. Sie habe inzwischen Strafanzeige gestellt und eine Untersuchung der Vorgänge veranlasst. «Ziel ist eine lückenlose Aufklärung und vor allem wirksame Maßnahmen zum Schutz der Neuköllner Jugendlichen», so Nagel.
Zuvor hatte die «Bild»-Zeitung berichtet, dass eine 16-Jährige im Januar von mehreren Jungen in dem Zentrum in einen hinteren Raum getragen, auf eine Couch geworfen und von den Jugendlichen sexuell belästigt wurde. Erst als eine Mitarbeiterin gekommen sei, hätten sie von dem Mädchen abgelassen.
Vergewaltigung im Garten?
Später soll die türkisch-kurdische Schülerin berichtet haben, sie sei bereits im vergangenen Jahr in dem Jugendzentrum vergewaltigt worden. Dies soll sich abends im Garten des Jugendzentrums ereignet haben. Ein 17-Jähriger soll ein Video von der Tat gedreht und dem Mädchen gedroht haben. Andere Jungs sollen das Mädchen gemobbt und bedroht haben wegen des Videos, schreibt die «Bild».
Der Vater des mutmaßlichen Opfers hat nach dem Bericht Anzeige gegen den mutmaßlichen Vergewaltiger erstattet - aber auch gegen die Verantwortlichen in der Einrichtung und bei den Behörden, die nichts unternommen haben sollen.
Innensenatorin: Polizei ist sofort aktiv geworden
Die Kriminalpolizei soll erst von dem Fall erfahren haben, als sich die betroffene 16-Jährige einer Präventivbeamtin der Polizei anvertraute. Diese schaltete das LKA ein.
Innensenatorin Iris Spranger (SPD) bestätigte Angaben aus dem Bericht der «Bild»-Zeitung, wonach das LKA das Handy eines beschuldigten Jugendlichen beschlagnahmte. Spranger sagte: «Die Polizei hat sofort reagiert.» Das LKA ermittele in dem Fall. Die Senatorin betonte: «Was nicht funktioniert hat, müssen der Bezirk, die zuständige Stadträtin und die Senatsverwaltung wirklich klären. Aufklärung wäre da sehr, sehr wichtig.» Auch Polizeipräsidentin Barbara Slowik Meisel erklärte, die Kriminalpolizei sei sofort aktiv geworden, als sie informiert worden sei.