Auswärtiges Amt schickt Chartermaschinen in Golfregion
Autor: Ulrich Steinkohl und Kilian Genius, dpa
, Montag, 02. März 2026
Flüge gestrichen, Kreuzfahrten gestoppt, große Unsicherheit: Wegen der Eskalation im Nahen Osten kommen Reisende nicht weiter. Für eine bestimmte Gruppe chartert das Auswärtige Amt nun Maschinen.
Hoffnung für einen Teil der im Nahen Osten gestrandeten deutschen Urlauber auf eine baldige Rückkehr in die Heimat: Das Auswärtige Amt bereitet die Rückholung von Kranken, Kindern und Schwangeren aus der Konfliktregion vor. Sie will dazu gecharterte Maschinen in die Hauptstädte Riad (Saudi-Arabien) und Maskat (Oman) schicken, wie Außenminister Johann Wadephul in Berlin ankündigte.
Grundsätzlich sieht die Bundesregierung jedoch die Reiseveranstalter und Fluglinien in der Verantwortung, ihre Kunden nach Deutschland zurückzubringen.
Das Bereitstellen von Flugzeugen für besonders vulnerable Gruppen sei das Mittel zweiter Wahl, sagte Wadephul. «An allererster Stelle müssen natürlich die Reiseverkehrsunternehmen hier eintreten. Und an dritter Stelle, wenn all das nicht reichen sollte, dann würden wir gegebenenfalls auf die Bundeswehr zurückgreifen.» Ein Sprecher des Bundesverteidigungsministeriums hatte zuvor erklärt: «Die Bundeswehr ist wirklich das letzte Mittel der Wahl.»
Rund 30.000 Kunden deutscher Reiseveranstalter sitzen fest
Wegen der Eskalation des Nahost-Konflikts seit dem Wochenende sitzen derzeit Zehntausende Menschen fest, die im Nahen Osten Urlaub machen oder einen der dortigen Flughäfen als Drehkreuz nutzen wollten. Viele Staaten haben ihren Luftraum geschlossen, Kreuzfahrtschiffe liegen in Häfen fest. Nach Angaben des Deutschen Reiseverbands (DRV) sind allein rund 30.000 Kunden deutscher Veranstalter betroffen. Ein Sprecher des Auswärtigen Amts nannte dies «eine einigermaßen verlässliche Größe».
Israel und die USA hatten am Samstagfrüh Luft- und Raketenangriffe auf den Iran begonnen, bei denen auch Staatsoberhaupt Ajatollah Ali Chamenei getötet wurde. Teheran reagierte mit Gegenangriffen auf Israel sowie auf Ziele in der Golfregion.
Auswärtiges Amt entsendet Krisenunterstützungsteams
Wadephul teilte mit, dass das Auswärtige Amt auch Krisenunterstützungsteams nach Maskat, Doha und Dubai entsenden werde. «Weitere Teams erkunden die Lage an den Grenzübergängen.» Dabei gehe es um die Möglichkeit des Grenzübergangs in Richtung von Ländern wie den Oman und Saudi-Arabien, deren Luftraum noch geöffnet sei. Ein Team der deutschen Botschaft in Kairo unterstütze den Grenzübertritt aus Israel.
Der Außenminister betonte, das Auswärtige Amt koordiniere sich sehr eng mit der Reiseindustrie. Er sei im Gespräch unter anderem mit der Lufthansa, dem Reisekonzern TUI und dem Deutschen Reiseverband. «Wir haben zusammen ein Ziel: Wir wollen Deutschen helfen, nach Hause zu kommen.»