Alarm zu Flugzeug-Entführung lässt Kampfjets aufsteigen
Autor: Frederick Mersi, Irena Güttel und Angelika Resenhoeft, dpa
, Dienstag, 13. Oktober 2026
Ein Linienflug von Korfu nach Nürnberg sendet den Notfallcode «7500», Kampfjets steigen auf, der Flughafen wird gesperrt. Ermittler vermuten ein defektes Funkgerät. Wie konnte es so weit kommen?
Ein möglicherweise defektes Funkgerät in einem Flugzeug von Korfu auf dem Weg nach Nürnberg hat den Notfallcode für eine Entführung gesendet - und damit einen Großeinsatz von Rettungskräften ausgelöst. Eurofighter stiegen am Dienstag auf und begleiteten den Flieger, nachdem aus dem Cockpit der Notfallcode «7500» geschickt worden war.
Der Airport in Bayerns zweitgrößter Stadt wurde gegen Mittag gesperrt. Knapp eine Stunde nach der sicheren Landung der Linienmaschine kam die Entwarnung. «In dem Flugzeug ist alles in Ordnung. Den Passagieren geht es gut, den Piloten geht es gut», sagte Polizeisprecher Michael Petzold.
Nach Angaben der Ermittler deutet bisher einiges auf ein kaputtes Funkgerät hin, auch weil die Piloten nach dem Absenden des Notfallcodes nicht mehr per Funk erreichbar gewesen seien. Die Ermittlungen zur Ursache für den Alarm laufen aber noch. Die Fluggesellschaft Corendon äußerte sich zunächst nicht zu dem Vorfall. Bei dem Flugzeug handelt es sich um eine Boeing 737-800, die je nach Ausführung bis zu 189 Plätze bietet.
Kampfjets aus Neuburg
Nach Angaben der Deutschen Flugsicherung begleiteten Kampfjets des taktischen Luftwaffengeschwaders 74 im bayerischen Neuburg an der Donau das Flugzeug im deutschen Luftraum. Dort stehen rund um die Uhr täglich zwei Eurofighter als sogenannte Alarmrotte bereit.
Ein Sprecher der Luftwaffe sagte, das Flugzeug sei bis zur Landung von den Eurofightern begleitet worden. Anschließend seien die Maschinen im Luftraum über dem Flughafen geblieben, bis ein erneuter Start des abgefangenen Fliegers ausgeschlossen werden konnte.
Auch in Kroatien stieg ein Kampfjet der kroatischen Luftwaffe auf, um das Flugzeug bis zur slowenischen Grenze zu begleiten. Wie das kroatische Verteidigungsministerium mitteilte, erfolgte der Einsatz aufgrund einer Warnung des Nato-Luftwaffenkommandos im spanischen Torrejón. Die Maschine überflog Kroatien und Slowenien auf ihrem Weg nach Deutschland.
Crew zunächst nicht erreichbar
«Wir hatten auf etwa Hälfte der Strecke gegen kurz nach 11.00 Uhr einen Code direkt aus dem Cockpit, der auf eine Geiselnahme schließen ließ», erläuterte Polizeisprecher Petzold die zunächst undurchsichtige Lage. «Da wir daraufhin das Cockpit nicht mehr erreichen konnten, beziehungsweise der Tower das Cockpit nicht mehr erreichen konnte, mussten wir eben vom Schlimmsten ausgehen, eben dass es sich tatsächlich um eine Geiselnahme handeln könnte.»