Trauer, Wut, Vorwürfe nach Brand-Inferno von Crans-Montana
Autor: Christiane Oelrich, dpa
, Sonntag, 01. März 2026
Unsägliche Schmerzen, tiefe Trauer und viele offene Fragen: Wer trägt Schuld an der Brandkatastrophe in der Neujahrsnacht?
Zwei Monate nach der Brandkatastrophe von Crans-Montana kämpfen sich viele Schwerverletzte weiter mühsam ins Leben zurück. Den Familien der 41 meist jungen Todesopfer geht es ähnlich. Der Horror der Neujahrsnacht hat ihr Leben für immer verändert.
Die Staatsanwaltschaft ermittelt, nachdem Funken aus Partyfontänen die Bar «Le Constellation» im Skiort Crans-Montana in Brand gesetzt hatten. Formelle Anklagen gibt es bisher nicht. Empörung und Wut sind bei Angehörigen und Anwälten groß. Ein Überblick:
Die Opfer
«Mein Körper ist zu einem Schlachtfeld geworden», schreibt die schwer verletzte Überlebende Mélanie Van de Velde aus Crans-Montana auf Facebook. «Es ist ein Leid, das kein Wort wirklich übersetzen kann, aber mein Körper wird niemals vergessen.» Viele müssen sich wie Van de Velde immer wieder schmerzhaften Hauttransplantationen unterziehen.
Von den ursprünglich 115 Verletzten waren am 23. Februar noch fast 60 in Krankenhäusern und Rehabilitationskliniken. 28 wurden im Ausland behandelt, vier davon in Deutschland. Neben Schweizern sind vor allem Franzosen und Italiener betroffen. 40 Menschen sind in der Nacht umgekommen, ein Schwerverletzter starb vier Wochen später an einer Infektion.
Die Angehörigen
Familien leben im Ausnahmezustand - wie Leila Micheloud. Zwei ihrer Töchter sind bei der Katastrophe verletzt worden. Über den Gang ins Krankenhaus berichtet sie in einer Fernsehdokumentation: «Ich fand meine Tochter vor, aber sie war nicht meine Tochter, es war ein verbrannter Körper.»
Familien erleben neben der Trauer und dem Schmerz auch Wut. Vor einer Vernehmung der Betreiber der Bar, Jacques und Jessica Moretti, haben Angehörige die beiden vor dem Gebäude in Sitten bestürmt und beschimpft. «Ich bin hier, um Jessica Moretti zu zeigen, dass sie Familien zerstört hat», sagte Tobyas (14) dort, dessen Bruder Trystan ums Leben kam.
Die Beschuldigten
Im Visier der Staatsanwaltschaft sind die Morettis. Es geht etwa darum, ob Notausgänge richtig gekennzeichnet waren, ob die Verengung einer Fluchtweg-Treppe auf 1,37 Meter rechtens oder ob der Schaumstoff an der Decke, der in Brand geriet, regelkonform war. Sie sind gegen Kaution auf freiem Fuß. Sie hätten sich nichts zuschulden kommen lassen, sagen ihre Anwälte, Nicola Meier, Yaël Hayat und Patrick Michod.