Aus einer Routinekontrolle wird ein tödlicher Einsatz: In Berngau sterben zwei Mitarbeiter des Landratsamts. Was trieb einen Jäger und Sportschützen zur Eskalation?
Eine unangekündigte Kontrolle eines Waffenbesitzers endet in der Oberpfalz in einer Katastrophe. Am Tag nach den dramatischen Stunden in der kleinen Gemeinde Berngau fragen sich viele, wie es dazu kommen konnte. Ob es Anzeichen für eine drohende Eskalation gab und wie es nach den tödlichen Schüssen auf zwei Mitarbeitende des Landratsamtes Neumarkt nun weitergeht.
Was genau ist passiert?
Berngau liegt im Landkreis Neumarkt südöstlich von Nürnberg. Am Donnerstag melden sich mehrere Menschen gegen 14.00 Uhr per Notruf bei Polizei und Rettungskräften und berichten von Schussgeräuschen, woraufhin ein Großeinsatz beginnt. Auch der mutmaßliche Schütze selbst ruft bei der Einsatzzentrale an. Er erzählt nach Polizeiangaben, er sei in seiner Wohnung und habe Schusswaffen. Auch gibt er demnach zu, geschossen zu haben - wie sich später herausstellt, auf eine 54 Jahre alte Mitarbeiterin des Landratsamtes Neumarkt und ihren 45 Jahre alten Kollegen. Beide wollten den Mann unangekündigt wegen seiner zehn registrierten Waffen kontrollieren. Warum die routinemäßige Kontrolle derart eskalierte, ist zunächst unklar.
Wie gelingt die Festnahme des Verdächtigen?
Der Deutsche verschanzt sich in seiner Wohnung. Stunden über Stunden vergehen, die Einsatzkräfte setzen auf Verhandlung mit dem 60-Jährigen. Ein Polizeisprecher zur Einsatztaktik: «Wir versuchen immer, die friedliche Lösung herbeizuführen, das findet grundsätzlich mit Kommunikation statt. Die Alternative ist auch allen klar. Aber Ziel ist durchaus, dass man eine gewaltfreie Lösung schafft.»
Dazu kommt es trotz aller Bemühungen nicht. Auch mit Hilfe von Sprengmitteln gelangen Polizisten mitten in der Nacht gegen 02.20 Uhr in die Wohnung in einem weißen Haus. Spezialkräfte schießen mehrmals und treffen den Verdächtigen, der schwer verletzt in ein Krankenhaus gebracht wird. Er hatte zuvor bereits angekündigt, sich nicht widerstandslos festnehmen lassen zu wollen.
Was ist über den Verdächtigen bekannt?
Bei dem Mann handelt es sich nach Angaben von Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) um einen Jäger und Sportschützen. Polizeilich sei der 60-Jährige zuvor nach aktuellem Stand der Ermittlungen nicht bekannt gewesen. Es gebe auch keine Hinweise auf eine wie auch immer geartete extremistische Gesinnung, sagt Herrmann. Weder Staats- noch Verfassungsschutz hätten bisher irgendwelche Erkenntnisse über den Mann.
Der Deutsche besitzt laut Waffenregister als Sportschütze und Jäger zehn Waffen legal. Sein Motiv bleibt zunächst im Dunkeln.
Der Bürgermeister der Gemeinde mit etwa 2.600 Einwohnern, Thomas Meier, erzählt, er kenne den mutmaßlichen Schützen bestimmt vom Sehen, aber nicht persönlich. «Ansonsten war er meines Wissens auch nicht im Dorf integriert, nicht in Vereinen, nicht in Gruppierungen, war, glaube ich, für sich allein.» Er ist nach seinen Erkenntnissen auch nicht in einem örtlichen Schützenverein aktiv.