Mord vor fast 32 Jahren – Spur an Hosenbund entscheidend
Autor: Christian Schultz, Birgit Reichert, Ira Schaible und Bernd Glebe, dpa
, Mittwoch, 25. Februar 2026
Eine junge US-Touristin wird 1994 nahe der Festung Ehrenbreitstein in Koblenz ermordet. Lange fehlt jede Spur vom mutmaßlichen Täter - bis jetzt. Wie Ermittler viele Puzzleteile zusammensetzten.
Eine Mischung aus neuen technischen Möglichkeiten und alten DNA-Spuren brachte den Durchbruch: Fast 32 Jahre nach dem Mord an der damals 24 Jahre alten US-amerikanischen Touristin Amy Lopez in Koblenz sitzt ein Tatverdächtiger in Untersuchungshaft. Der 81 Jahre alte Deutsche wurde in einem Seniorenheim im Raum Koblenz festgenommen, bislang schweigt er.
Sollte er im weiteren Ermittlungsverfahren tatsächlich überführt werden, war es am Ende vor allem eine DNA-Spur von der Innenseite der Jeans des Opfers, die ihn verriet - genauer vom Hosenbund der auf links gedrehten Hose. Viele Jahre konnten diese Spur und andere keiner Person zugeordnet werden.
Opfer war auf Europareise
Lopez war im September 1994 auf einer Europareise, wie Oberstaatsanwalt Mario Mannweiler von der Staatsanwaltschaft Koblenz berichtete. Am Tattag sei sie vormittags mit einem Stadtbus in den Stadtteil Ehrenbreitstein rechts des Rheins gefahren, wollte einen steilen Pfad hinauf zur Festung Ehrenbreitstein gehen - dort traf sie auf ihren Mörder.
Die 24-Jährige wurde sexuell missbraucht, stranguliert, mit Messerstichen verletzt, ihr wurde mit einem Stein auf den Kopf geschlagen. Gefunden wurde die fast entkleidete Leiche von spielenden Kindern.
Fall ließ Ermittler nie los
In den Folgejahren tat sich bei den Ermittlungen lange nichts. Zwischenzeitlich wurde in den 1990ern mal ein Mann festgenommen, aber wieder aus der Untersuchungshaft entlassen. Der Fall habe die Staatsanwaltschaft und die Polizei jedoch nie ganz losgelassen, sagte Mannweiler.
Die DNA des 81-Jährigen kam schon 1999 in eine polizeiliche Datenbank, nachdem der Mann damals wegen einer versuchten Vergewaltigung einer 16-Jährigen in Koblenz ins Visier der Ermittler geraten war. Wegen der Tat wurde er auch zu einer Haftstrafe von sieben Jahren verurteilt.
Als wiederum später moderne Verfahren halfen, mehr aus den Tatortspuren herauszulesen, war diese DNA-Probe des heute 81-Jährigen wegen gesetzlicher Fristen bereits gelöscht, wie Mannweiler erklärte. Erst nachdem der Mann in diesem Jahr freiwillig eine DNA-Probe abgegeben hatte, gelang die Zuordnung zu den Tatortspuren.