Tödliche Schüsse aus der Dienstwaffe: Mehr Taser für Polizei
Autor: Anne-Beatrice Clasmann, dpa
, Samstag, 24. Januar 2026
Die Zahl tödlicher Polizeischüsse ist 2025 gesunken, bleibt aber über dem Durchschnitt der Vorjahre - vor allem im Südwesten. Warum die GdP mehr Taser fordert und was die Argumente dagegen sind.
Polizeibeamte haben 2025 weniger Menschen im Einsatz erschossen als im Jahr zuvor. Wie aus einer Auflistung der Zeitschrift «Bürgerrechte & Polizei/Cilip» des Instituts für Bürgerrechte und öffentliche Sicherheit an der Berliner Humboldt-Universität hervorgeht, starben auf diese Weise im vergangenen Jahr 17 Menschen, nach 25 im Jahr zuvor. Die Zahl der Todesfälle lag damit jedoch immer noch deutlich über dem Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre.
Alternative zum Schusswaffeneinsatz?
Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) ist überzeugt, dass eine flächendeckende Ausstattung der Einsatzkräfte mit den mancherorts schon verfügbaren Distanz-Elektroimpulsgeräten - auch als Taser bekannt - dazu beitragen könnte, dass künftig weniger Menschen durch Schüsse aus der Dienstwaffe sterben. Mit einem Taser können aus geringer Distanz Elektroschocks abgegeben werden, die einen Menschen in der Regel handlungsunfähig machen.
GdP stellt These zu Zahl der tödlichen Schüsse auf
Ihr Bundesvorsitzender, Jochen Kopelke, sieht einen Zusammenhang zwischen der relativ hohen Zahl von Fällen von tödlichem Schusswaffengebrauch durch Polizeibeamte in Baden-Württemberg im vergangenen Jahr und der Tatsache, dass der Taser dort bislang regulär lediglich von Spezialeinheiten verwendet wird.
Er sagt: «Dort, wo keine oder nur eingeschränkt „nicht-tödliche“ Einsatzmittel eingesetzt werden können, ist die Schusswaffe einzig verhältnismäßiges Mittel.» Seine These: «Wo mehr und schneller Taser durch die Polizei verfügbar sind, reduziert es den Einsatz der Dienstwaffe.»
Viele Todesfälle im Südwesten - Demos im Norden
Im grün-schwarz regierten Baden-Württemberg erschossen Polizeibeamte im Dienst 2025 insgesamt sieben Menschen, darunter in Leonberg einen 44-jährigen Mann, der laut Polizei Schüsse aus einer Wohnung heraus abgegeben hatte. Später wurde eine Schreckschusswaffe bei ihm gefunden. In Bruchsal starb ein 48-Jähriger, der mit Hilfe der Polizei in eine psychiatrische Klinik gebracht werden sollte.
In der Nacht zu Ostersonntag 2025 erschoss ein Polizist in Oldenburg den 21 Jahre alten Lorenz. Die Schüsse trafen den jungen Deutschen von hinten in Oberkörper, Hüfte und Kopf. Der gewaltsame Tod des Schwarzen sorgte weit über die Grenzen der niedersächsischen Stadt hinaus für Entsetzen, Anteilnahme und löste Proteste aus. Vorwürfe wurden laut, Rassismus könnte eine Rolle gespielt haben.
Im November klagte die Staatsanwaltschaft den 27 Jahre alten Polizisten wegen fahrlässiger Tötung an. Demnach soll der Deutsche irrtümlich geglaubt haben, sich in einer Notwehrlage zu befinden. Der Beamte sei davon ausgegangen, Lorenz wolle ihn mit einem Messer angreifen. Tatsächlich versprühte der 21-Jährige Reizgas gegen den Beamten, ein mitgeführtes Messer benutzte er aber nicht. Den Ermittlungen zufolge wollte Lorenz zum Zeitpunkt der Schussabgabe fliehen.