TikTok und Co: Social-Media-Verbot für Kinder bis 13 geplant
Autor: Verena Schmitt-Roschmann, Carola Frentzen und Sebastian Fischer, dpa
, Mittwoch, 24. Juni 2026
Monatelang beriet eine Expertenkommission über «Kinder- und Jugendschutz in der digitalen Welt». Jetzt legt sie Handlungsempfehlungen vor. Die Regierung wartet darauf.
Für Kinder soll aus Sicht von Familienministerin Karin Prien auch in Deutschland ein Social-Media-Verbot eingeführt werden - allerdings nur bis zum Alter von 13 Jahren und mit Ausnahmen etwa für Messengerdienste. Für Jugendliche zwischen 13 und 18 Jahren möchte die CDU-Politikerin «abgestufte Schutzkonzepte» bei der Nutzung von TikTok, Instagram und Co. Damit würde Deutschland zwar wichtige neue Auflagen erlassen, aber weit milder als etwa Australien oder Großbritannien. Wie und wann genau sie genau kommen, ist offen.
Warum macht Prien jetzt diesen Vorschlag?
Prien hatte im September die Expertenkommission «Kinder- und Jugendschutz in der digitalen Welt» eingesetzt. Nun haben die Fachleute 56 Empfehlungen vorgelegt. Eine davon nennt die Option einer «gesetzlichen Mindestaltersgrenze von 13 Jahren» für die eigenständige Nutzung eigener Social-Media-Accounts. Diesen Vorschlag macht sich Prien zu eigen.
Warum 13? Diese Altersgrenze gelte ohnehin in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen vieler Netzwerke, sagte die CDU-Politikerin in Berlin. Dabei bleibe man. «Aber jetzt machen wir es wirksam.» Benötigt wird dafür eine wirksame Altersprüfung. Dafür will die Ministerin die EUDI-Wallet nutzen, die ab Anfang 2027 in Deutschland zur Verfügung stehen soll.
Warum werden Altersbegrenzungen diskutiert?
Gewarnt wird vor gesundheitlichen Gefahren für Kinder und Jugendliche, zum einen durch Inhalte wie Pornografie, Hass und Extremismus, zum anderen durch Mobbing, falsche Psychotipps oder Cybergrooming. Am häufigsten wird Sorge über zu lange Nutzungszeiten geäußert. Nach Angaben der Expertenkommission nutzen etwa eine Million Jugendliche digitale Medien auf problematische Weise, 300.000 zeigen Suchtverhalten.
Viele Kinder und Jugendliche sehen selbst Risiken - allerdings seltener als Erwachsene. In einer Umfrage im Auftrag der EU-Kommission nannten 18 Prozent der befragten 13- bis 18-Jährigen negative Auswirkungen, bei den Eltern waren es 36 Prozent. Rund 48 Prozent der jungen Leute vermuteten positive Effekte durch soziale Netzwerke.
Was sagt die Kommission im Einzelnen?
Im 117 Seiten langen Bericht nimmt die Frage nach Altersgrenzen wenig Raum ein. Den 18 Fachleuten ging es um einen ganzheitlichen Ansatz für Kinder von der Geburt bis zum Alter von 18 Jahren. Die Verantwortung sehen sie im Wesentlichen bei den Erwachsenen, bei Eltern, Kitas, Schulen, Kinderärzten - und vor allem bei den Social-Media-Plattformen.
Der Kommissionsvorsitzende Olaf Kölle brachte es auf die Formel: «Nicht das Kind muss sich an die digitale Welt anpassen, sondern die digitale Welt an das Kind. Kinder- und Jugendliche aus der digitalen Welt auszusperren, ist kein Schutz.» Die Kinder sollen gesund groß werden, aber eben auch den Umgang mit den digitalen Medien lernen.