Tierquälerei für Klicks: Warum Gewaltvideos im Netz boomen
Autor: Carola Frentzen, dpa
, Freitag, 12. Juni 2026
Foltervideos oder inszenierte Tierrettungen erzielen millionenfach Klicks in sozialen Medien. Tierschützer und Ermittler suchen auf Bali nach Auswegen. Wie lässt sich der grausame Trend stoppen?
Die Aufnahmen dauern oft nur wenige Sekunden. Ein Affenbaby schreit. Ein Hund wird misshandelt. Eine Katze wird gequält. «Mach es noch einmal!», schreibt ein Nutzer. Ein anderer bietet Geld für neue Foltervideos. Wenige Tage später wird irgendwo auf der Welt wieder ein Tier misshandelt, gefilmt und die Szene ins Netz gestellt. Unfassbar aber wahr: Das Geschäft mit zur Schau gestelltem Tierleid boomt.
Besonders erschütternd ist das sogenannte «Crushing». Dabei filmen sich Nutzer beim Zerdrücken oder Zertreten lebender Tiere und animieren andere zur Nachahmung - eine neue Art der Internet-Challenge.
«Es begann mit Insekten, aber mittlerweile werden unter anderem Katzenbabys Hundewelpen und Kaninchen totgetreten», sagt Wiebke Plasse, Kampagnenverantwortliche der deutschen Welttierschutzgesellschaft (WTG). Im Streben nach immer mehr Aufmerksamkeit und Reichweite seien die Inhalte zunehmend brutaler geworden.
Brennpunkt Asien
Auf Bali suchten in dieser Woche Tierschützer, Wissenschaftler, Ermittler und Vertreter großer Internetplattformen nach Wegen, Tierquälerei im Netz einzudämmen. Beim ersten globalen SMACC-Gipfel ging es zwei Tage lang um bessere Strafverfolgung, strengere Regeln für Plattformen und den Einsatz neuer Technologien im Kampf gegen das Phänomen.
SMACC steht für Social Media Animal Cruelty Coalition (Koalition gegen Tierquälerei in den sozialen Medien). Es handelt sich um einen internationalen Zusammenschluss von mehr als 40 Tier- und Artenschutzorganisationen. Bali als Tagungsort ist dabei bewusst gewählt: Viele der im Internet verbreiteten Tierquälerei-Videos stammen aus Asien, und Indonesien gehört nach Einschätzung von Tierschützern zu den Brennpunkten des Problems.
Gesetzesänderung in Deutschland?
Die WTG mit Sitz in Berlin, die Mitglied des Bündnisses ist, setzt sich vehement für eine Gesetzesänderung in Deutschland ein. Sie fordert, dass Tiere in die Regelungen gegen gewaltverherrlichende und -verharmlosende Darstellungen aufgenommen werden. Vorbild ist ein Paragraph des Strafgesetzbuches, der bereits die Verherrlichung schwerer Gewalt gegen Menschen erfasst. Künftig könnten entsprechende Vorschriften auch für Gewalt gegen Tiere gelten.
«Es sieht gut aus für unsere Forderung», sagte Plasse auf Bali im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. Der Entwurf liege in Berlin vor. «Und wir haben bereits den Zuspruch aus den Regierungsparteien.» Ziel sei es, die Verbreitung und den Konsum solcher Inhalte künftig mit Freiheitsstrafen zu ahnden. «Derzeit fühlen sich die TäterInnen noch völlig frei und sicher - wir hoffen, dass harte Strafen sie abschrecken werden.»