Fall Fabian: Viele Spuren und noch mehr Fragen
Autor: dpa
, Donnerstag, 28. Mai 2026
Forensiker gingen nach dem Gewaltverbrechen an dem achtjährigen Fabian Hunderten Spuren nach. Dabei wurden auch zahlreiche DNA-Proben analysiert. Es gibt Spuren, die aber viele Fragen offen lassen.
Bei den Ermittlungen im Fall des getöteten achtjährigen Fabian aus Güstrow sind bislang mehr als ein Dutzend unterschiedliche Messer als mögliche Tatwaffe untersucht worden. Bei keinem sei aber menschliches Blut nachgewiesen worden, sagte eine DNA-Forensikerin des Landeskriminalamtes bei der Vorstellung der bisherigen Ergebnisse am Landgericht Rostock. Bei weiteren, im Nachgang eingereichten Messern stehe ein abschließender schriftlicher Befund noch aus.
Nachgewiesen wurden dagegen laut Gutachterin DNA-Spuren des getöteten Fabian im Auto der wegen Mordes angeklagten 30-jährigen Frau. Auch sei auf einem Blatt einer Küchenpapierrolle, die in einem Ablagefach des Autos gelegen habe, eine Blutspur von Fabian festgestellt worden. Über das Alter der Blutspur könne nichts gesagt werden. DNA-Spuren könnten sich aber über einen Zeitraum von zwei Monaten halten. Die Angeklagte ist mit Fabians Vater liiert. Der Achtjährige war zuletzt im Sommer 2025 bei ihr.
Der tote Junge wurde am 14. Oktober nach vier Tagen intensiver Suche entdeckt. Er lag rund 15 Kilometer südlich von Güstrow an einem Tümpel bei Klein Upahl. Die Angeklagte soll Fabian laut Staatsanwalt am 10. Oktober 2025 mit ihrem Auto abgeholt und später an dem Tümpel im Landkreis Rostock erstochen haben. Der Prozess wird am kommenden Dienstag fortgesetzt.
Fasern von Pullover und Reithose
Ein am siebten Verhandlungstag ebenfalls vorgestelltes Textilgutachten ergab mögliche Hinweise auf Kleidungsstücke der Angeklagten. Unter dem rechten Daumennagel des Kindes sei eine lila-blau eingefärbte Baumwollfaser festgestellt worden, bei der es Übereinstimmungen zu einem Pullover der Tatverdächtigen gebe, sagte der zuständige Sachverständige. Zudem sei an einem Textil-Ärmelbündchen des Opfers eine grau-grünliche Polyesterfaser gefunden worden, die von einer Reiterhose der Angeklagten stammen könne.
Der Experte machte aber klar, dass eine Bewertung der Funde sehr schwierig und kaum möglich sei. Es könne etwa nicht gesagt werden, wie es zu einer Spurenübertragung gekommen sei.
Warnung des Richters: Fotos schwer zu ertragen
Im Saal 2.002 wurden auch Fotos von Fabians Leichnam gezeigt. Der Richter hatte die Zuschauer im Saal zuvor gewarnt, dass die Fotos schwer zu ertragen seien. Wer das nicht aushalte, habe die Möglichkeit, den Saal zu verlassen. Fabians Mutter, die als Nebenklägerin am Prozess teilnimmt, war aus diesem Grund erstmals nicht persönlich zur Verhandlung gekommen. Fabians Leiche wurde angezündet und wies starke Verbrennungen auf.
Vorgestellt wurden auch die Ergebnisse polizeilicher Ermittlungen zu den Einloggdaten von Handys in Funkzellen. Dabei mussten die Ermittler auf Daten der jeweiligen Provider zurückgreifen, die nach Zeugenaussagen des zuständigen Polizeibeamten aber «extrem lückenbehaftet» seien, denn die Anbieter würden die Daten eigentlich nur zu Abrechnungszwecken erheben.