Neue KI-Programme bei Kindern im Kommen - mit Risiken
Autor: Sascha Meyer, dpa
, Dienstag, 24. März 2026
Viele Jungen und Mädchen hängen lange am Smartphone. Immer beliebter werden auch Anwendungen, mit denen man sich per Texteingabe quasi unterhalten kann. Experten dringen auf Schutzregeln.
Videos, Spiele, Chats: Ein problematischer Umgang mit sozialen Medien liegt bei Kindern und Jugendlichen laut einer Studie weiter auf hohem Niveau - und Anwendungen mit Künstlicher Intelligenz (KI) mit neuen Risiken kommen zusehends dazu. Hochgerechnet fast 1,5 Millionen Jungen und Mädchen zwischen 10 und 17 Jahren seien von Social-Media-Sucht bedroht oder schon davon betroffen, teilten die Krankenkasse DAK-Gesundheit und das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) nach neuen Umfragedaten mit.
DAK-Chef Andreas Storm mahnte rasche Regelungen etwa für Altersgrenzen an. Es brauche Geschwindigkeit bei der Gesetzgebung, damit bereits nach den Sommerschulferien erste Maßnahmen wirken könnten. Die wachsende Nutzung von KI-Chatbots stelle jetzt «eine neue Dimension» dar, da sie eine veränderte Schnittstelle zwischen der realen und der virtuellen Welt bedeuteten.
Neue KI-Sprachprogramme schon verbreitet
Programme wie ChatGPT oder Gemini, bei denen man eine «menschenähnliche Kommunikation» per Text oder Sprache mit automatisierten Antworten führen kann, gehören laut der Studie inzwischen bei vielen Kindern und Jugendlichen zum Alltag. Mehrmals pro Woche nutzen 20,8 Prozent solche KI-Anwendungen und täglich 6,4 Prozent - gefragt jeweils nach den letzten sechs Monaten. Häufig würden die Chatbots als Lern- und Informationswerkzeug eingesetzt, sie könnten aber zugleich auch einzelne «sozial-emotionale Funktionen» erfüllen.
So gaben laut der Studie einzelne Befragte an, Chatbots Dinge anzuvertrauen, die sie sonst keinem oder nur engen Freunden erzählen. «Manchmal» trifft dies demnach auf 7 Prozent zu, «oft» oder «sehr oft» auf weitere 3,4 Prozent. Diese Werte beziehen sich auf 644 Befragte, die Chat-Programme nach eigenen Angaben nicht «nie» nutzen.
Studienleiterin Kerstin Paschke wies auch auf oft bestätigende Reaktionen der Programme hin. Dadurch könnten junge Menschen eine emotionale Bindung zu einem Chatbot entwickeln, die mit psychischen Belastungen einhergehen und problematische Nutzungen begünstigen könne.
Nutzung von Online-Videos steigt
Insgesamt wurden für die Untersuchung den Angaben zufolge 1.005 Kinder von 10 bis 17 Jahren mit je einem Elternteil vom 24. September bis 12. Oktober 2025 vom Institut Forsa online befragt. Es ist die achte Welle einer bereits seit 2019 laufenden Mediennutzungsstudie von DAK und UKE.
Trotz leichter Rückgänge bei den Nutzungszeiten bleibe die Zahl von Kindern und Jugendlichen mit einer problematischen Mediennutzung sehr hoch, heißt es in der neuen Untersuchung. Bemerkenswert aus Sicht der Suchtvorbeugung sei ein starker Anstieg bei der Nutzung von Online-Videos auf Plattformen wie Tiktok, Youtube oder Netflix, die man nur passiv anschaut - teils mit endlosem Scrollen oder animiert durch automatische Wiedergaben.