Streift ein Puma durch Oberbayern? Was bisher bekannt ist
Autor: Julian Degler, Christof Rührmair und Frederick Mersi, dpa
, Donnerstag, 08. Oktober 2026
Spaziergänge vermeiden, Kinder nicht aus den Augen lassen: Nach einer möglichen Raubkatzen-Sichtung rufen Behörden nahe dem Münchner Flughafen zur Vorsicht auf. Was ist da unterwegs - und warum?
Mit Wärmebilddrohnen, einem Hubschrauber und Hunden durchkämmen Polizistinnen und Polizisten ein Naturschutzgebiet in der Nähe des Münchner Flughafens. Eine Beobachtung eines Jägers hat das Landratsamt Erding zu einer Warnung veranlasst: Eine Raubkatze könnte durch das Gebiet bei Oberding (Landkreis Erding) streifen - womöglich ein Puma. Oder doch etwas ganz anderes? Was bisher bekannt ist - und was nicht:
Streift da wirklich ein Puma durchs Moos?
Das ist bisher nicht sicher geklärt. Die Vermutung der Behörden beruht auf der Einschätzung eines nicht namentlich genannten Experten, der Aufnahmen aus der Wärmebildkamera eines Jägers vom Dienstagabend analysiert hatte. Das Landratsamt Erding sprach zuletzt von einer «Raubkatzensichtung».
Zum jetzigen Zeitpunkt könne aber nicht gesichert gesagt werden, ob es sich bei dem Tier um einen Puma oder ein ganz anderes Tier handle, sagte die Sprecherin des Landratsamts Erding, Claudia Fiebrandt-Kirmeyer, bei einer Pressekonferenz am Donnerstag. Die Bilder sollen laut Landratsamt «in Zusammenarbeit mit Expertinnen und Experten» weiter analysiert werden. Beteiligt seien unter anderem Vertreter von Zoos und Umweltbehörden.
Kreisjägerchef Thomas Schreder sagte der dpa auf Anfrage, er sei sich nach Betrachtung der Aufnahmen zumindest ziemlich sicher, dass es sich bei dem Tier nicht um eine heimische Raubkatze wie zum Beispiel einen Luchs handelt.
In mehreren Fällen in Deutschland hatten sich vermeintliche Raubkatzen-Sichtungen zuletzt als harmlos herausgestellt. Unter anderem suchten Polizei und Jäger 2023 in Kleinmachnow bei Berlin rund 30 Stunden nach einer Löwin - am Ende war es höchstwahrscheinlich ein Wildschwein. 2022 war ein echter Puma in Bayern gefunden worden, allerdings in einer Holzkiste in einem Auto in der Oberpfalz. Er wurde aufgepäppelt und nach Österreich gebracht.
Wie könnte ein Puma dorthin gelangt sein?
Darüber rätseln auch die zuständigen Behörden. «Zu einem etwaigen Halter des Tieres gibt es keine neuen Erkenntnisse», teilte das Landratsamt mit. Im nahe gelegenen Hallbergmoos gastiert diese Woche zwar ein Zirkus. Der besitzt nach eigenen Angaben aber keine Raubkatzen. Auch ein Tierheim in Oberdinger Moos bekam laut der Leiterin einen Anruf von der Polizei - doch die Einrichtung hält die Tiere nach eigenen Angaben schon seit vielen Jahren nicht mehr.
Die Auffangstation für Reptilien in München hätte laut einer Sprecherin zwar Kapazitäten, um einen Puma aufzunehmen - hatte aber zuletzt kein solches Tier in Betreuung, das jetzt vermisst würde. Private Halter müssten einen Puma eigentlich bei der örtlichen Gemeinde melden. Auch in diese Richtung ergaben sich zunächst aber ebenfalls keine konkreteren Hinweise.