Karneval als Krisenschild - Narren feiern im Regen
Autor: Jonas-Erik Schmidt und Christoph Driessen, dpa
, Donnerstag, 12. Februar 2026
Schlechtes Wetter? Pah! Als «Urlaub von der Wirklichkeit» ist Karneval nach Experten-Meinung so gefragt, dass ihm auch Regen wenig anhaben kann. Nun ist die «Ablenkung vom Alltag» zurück.
Königskrönchen und Regencape ja, Sonnenschein nein: Der Karnevalsauftakt an Weiberfastnacht hat den Narren aufgrund der Wetterlage einiges abverlangt. Doch trotz immer wieder einsetzendem Regen tanzten und schunkelten unzählige Menschen entlang des Rheins in Richtung Höhepunkt des närrischen Treibens.
Auf die Frage nach einem Durchhalte-Rezept antwortete der Kölner Karnevalsprinz Niklas I. der Deutschen Presse-Agentur: «Einfach Sonne im Herzen, dann klappt das auch bei Regen.» Der Düsseldorfer Oberbürgermeister Stephan Keller (CDU) stritt im WDR jede politische Verantwortung für das Wetter ab - er habe das so nicht bestellt. «Aber ich glaube, das tut der Stimmung keinen Abbruch.»
Schlips-Abschneiden ist aus der Mode gekommen
In Düsseldorf stürmten die «Möhnen» - ein Dialektwort für ältere Frauen - das Rathaus. In Bonn griffen die Waschweiber an. In Mainz feierten die Narren mit viel Musik auf dem Schillerplatz - Mönche, Prinzessinnen, Fußballer und Bienen schunkelten dabei teils unter Schirmen. Die eine oder andere Närrin war auch auf Krawattenjagd, wobei die Sitte des Schlips-Abschneidens zunehmend an Boden verliert - so wie ja auch das Schlips-Tragen selbst.
Vor allem Köln war am Vormittag wieder das Ziel Tausender Karnevalstouristen - auch wenn nicht ganz so viele auf den Beinen waren wie in sonnigen Jahren. Ein Polizeisprecher sagte: «Mutmaßlich ist weniger Andrang als in den letzten Jahren aufgrund der Wetterlage.» Die Kölner Polizei setzte bis zu 1.500 zusätzliche Beamte ein. Das Ordnungsamt schickte bis zu 400 Mitarbeiter und rund 2.600 Sicherheitskräfte von externen Dienstleistern in den Einsatz.
Karneval sei ein Menschen-Magnet, sagte der Kölner Oberbürgermeister Torsten Burmester (SPD). «Es ist ein großes Fest, das hier organisiert wird, und das müssen wir auch sicher über die Bühne kriegen.» Ganz viele Menschen kämen in der Stadt zusammen und wollten friedlich feiern. «Das ist schon mal toll. Aber zum Feiern gehören auch Regeln», mahnte Burmester. Er hatte kürzlich in der Stadt eine Debatte um das Wort «Ballermannisierung» losgetreten - in diese dürften Feierlichkeiten nämlich nicht hineinlaufen. Höhepunkt des Straßenkarnevals ist dann der Rosenmontag.
Am Abend bilanzierte die Kölner Polizei: Mit zunehmender Alkoholisierung seien die Einsatzkräfte vor allem in den Feier-Hotspots gefordert gewesen, um Streitigkeiten zu unterbinden. Bis 19.00 Uhr seien zwölf Menschen unter anderem zum Durchsetzen von Platzverweisen in Gewahrsam genommen worden. Nach angezeigten sexuellen Belästigungen, Körperverletzungen und Diebstählen wurden Ermittlungen eingeleitet.
Ein Mann soll einer Frau das Handy geraubt haben, das sie ihm geliehen hatte - der Täter habe die Frau mit einer Machete bedroht und die Flucht angetreten, teilte die Polizei mit. Zudem habe ein Randalierer einem Zivilpolizisten, der Pöbeleien des Mannes beenden wollte, einen Kopfstoß versetzt - und ihn so schwer im Gesicht verletzt, dass er nicht mehr dienstfähig war.