Die türkische Regierung gibt an, fast alle Straßenhunde eingesammelt zu haben. Das wirft bei Tierschützern Fragen auf.
In der Türkei sorgen sich Tierschützer nach einer umstrittenen staatlichen Aktion zur Einsammlung von Straßenhunden um deren Schicksal. Hunde seien in den Heimen nach Beobachtungen ihrer Organisation teils grausamen Bedingungen ausgesetzt und etwa schutzlos Sonne und Kälte ausgeliefert, sagte Nihal Kasa, Vorsitzende der Tierschutzorganisation Hayfed, der Deutschen Presse-Agentur.
Die Kapazitäten seien zudem unzureichend und es sei schlicht unmöglich, alle Hunde unterzubringen. Kasa warf den Behörden zudem unrechtmäßige Tötungen und Intransparenz vor. Die zuständigen Ministerien äußerten sich auf Anfrage nicht dazu.
Seit einer umstrittenen Gesetzesänderung vor rund zwei Jahren sind Kommunen dazu verpflichtet, Straßenhunde einzufangen und in Tierheimen unterzubringen. Ziel ist der Regierung zufolge deren Vermittlung, in bestimmten Fällen wie Krankheit oder Aggressivität ist aber auch die Tötung erlaubt.
Umstrittene Gesetzesänderung
Innenminister Mustafa Ciftci hatte vergangene Woche erklärt, dass rund 99 Prozent der Straßentiere eingefangen worden seien. Angaben dazu, wie viele Tiere in Heimen untergebracht, vermittelt oder eingeschläfert wurden, machte er nicht.
Auch der Deutsche Tierschutzbund hatte im August die Bedingungen in türkischen Tierheimen kritisiert und unter Berufung auf Partnerorganisationen vor Ort erklärt, zu viele Hunde seien auf engem Raum untergebracht und die Kapazitäten reichten nicht aus, um sie angemessen zu versorgen.
Unklare Datenlage
Bei der Verabschiedung der umstrittenen Gesetzesänderung im Sommer 2024 war die Regierung von rund 4 Millionen Straßenhunden ausgegangen, hatte die Anzahl aber später auf rund 1,2 Millionen nach unten korrigiert.
Im April standen dem rund 459.000 Plätze in Tierheimen und sogenannten natürlichen Lebensräumen entgegen, wie aus einer Antwort des Forstministeriums auf eine parlamentarische Anfrage hervorgeht. Rund 97.000 herrenlose Tiere waren demnach bis dahin an neue Besitzer vermittelt worden. Aktuelle Angaben machte die Regierung auf Anfrage der dpa nicht.