Angst vor höheren Lebenshaltungskosten deutlich gestiegen
Autor: Mia Bucher, dpa
, Donnerstag, 01. Oktober 2026
Trotz moderater Inflation empfinden viele Deutsche das Leben als teurer. Dabei gibt es deutliche Unterschiede zwischen Frauen und Männer. Ein Wirtschaftspsychologe erklärt, woran das liegen könnte.
Ob beim Einkauf, bei der Miete oder bei anderen Ausgaben des Alltags: Viele Menschen in Deutschland sorgen sich, dass das Leben teurer wird. Fast sechs von zehn Menschen haben laut einer repräsentativen Befragung große Angst davor, dass die Lebenshaltungskosten steigen, wie die Ergebnisse der Langzeitstudie «Die Ängste der Deutschen» zeigen, die in Berlin vorgestellt wurde.
Diese Sorge gehört damit erneut zur größten Angst der Menschen in Deutschland. Seit dem Start der jährlichen Befragung im Jahr 1992 belegt sie zum 16. Mal den ersten Platz, bei insgesamt 35 Befragungen. Im Vergleich zum Vorjahr ist der Anteil der Menschen, die davor große Angst haben, sogar deutlich gestiegen - von 52 auf 59 Prozent.
Diese Sorgen belegen Platz zwei und drei
Auf Platz zwei der Rangliste steht die Sorge vor Steuererhöhungen und Leistungskürzungen, vor der gut jeder Zweite (53 Prozent) eigenen Angaben nach große Angst hat. Den dritten Platz belegt die Angst vor der Überforderung des Staats durch Geflüchtete (52 Prozent).
Die Umfrage «Die Ängste der Deutschen» wird von der R+V-Versicherung in Auftrag gegeben. Für die diesjährige Befragung wurden zwischen Mai und Juli rund 2.400 Menschen im Alter ab 14 Jahren von Meinungsforschern befragt. Die Teilnehmer sollten vorgegebene Themen auf einer Skala von eins (gar keine Angst) bis sieben (sehr große Angst) bewerten. Die Werte 5, 6 und 7 werden als „große Angst“ zusammengefasst. Daraus wird die Rangfolge ermittelt.
Wirtschaftspsychologe: Unsicherheit spielt große Rolle
Die Befragung spiegle vor allem eine gefühlte Angst vor der Zukunft und eine Unsicherheit wider, weniger die reale Situation der Befragten, erklärt Wirtschaftspsychologe Burkhard Schmidt von der Hochschule für Wirtschaft und Gesellschaft Ludwigshafen. «Die Menschen wissen einfach nicht mehr, was als Nächstes teurer wird. Und sie wissen nicht mehr, worauf sie sich verlassen können», sagte er der Deutschen Presse-Agentur.
In den Nachrichten höre man von einer unsicheren politischen Lage, von Kriegen, von erhöhten Spritpreisen. Das Erzeuge reale Ängste. «Wenn Menschen Verluste befürchten, prägt dieses Gefühl ihren Blick auf die Lage sehr stark.»
Das zeige sich auch daran, dass zwar 51 Prozent große Angst vor einer schlechteren Wirtschaftslage hätten (eine Steigerung um 10 Prozentpunkte im Vergleich zu 2025), aber nur 20 Prozent der Erwerbstätigen um den eigenen Arbeitsplatz fürchteten. Die eigene Lage erlebten viele als stabil, die Gesamtwirtschaft dagegen über Nachrichten und Preise als unsicher. Im Durchschnitt seien die Löhne zuletzt sogar stärker gestiegen als die Preise. Für verletzliche Gruppen, etwa Rentnerinnen und Rentner oder Haushalte mit hohen Energiekosten, sei die Belastung aber sehr real.