Ein Fläschchen mit der Aufschrift «Polonium 210» sorgt für Aufregung – doch Experten beruhigen nach einer ersten Einschätzung. Was steckt wirklich hinter dem mysteriösen Fund im Vorgarten?
Bei der Ostereiersuche haben zwei Männer in Vaihingen an der Enz ein Fläschchen mit der Aufschrift «Polonium 210» gefunden und damit die Behörden in Alarmstimmung versetzt. Sie entdeckten das kleine Behältnis mit dem angeblichen hochgefährlichen Strahlengift in einem privaten Vorgarten in der im Nordosten von Stuttgart gelegenen Stadt und alarmierten sofort Polizei und Feuerwehr.
Ein Ernstfall? Oder nur ein verspäteter Aprilscherz von Unbekannten? Zumindest gibt das baden-württembergische Umweltministerium am Tag darauf vorsichtig eine erste Entwarnung. «Die erste Einschätzung von unseren Fachleuten ist, dass es sich bei dem Fund nicht um Polonium 210 handelt», sagte eine Sprecherin. «Sicher ist das aber noch nicht», betonte sie.
Der Fund werde nun in die Landesanstalt für Umwelt (LUBW) nach Karlsruhe gebracht. Dort werde er genauer analysiert. Zuvor hatte die «Bild»-Zeitung über die Angaben des Ministeriums berichtet.
Messungen im Umfeld negativ ausgefallen
Polonium 210 ist ein potenziell tödliches Strahlengift. Die Feuerwehr hatte das Fläschchen nach eigenen Angaben noch als echt eingeschätzt. «Das Behältnis passt zum Stoff», sagte Kreisbrandmeister Andy Dorroch nach dem Fund. «Der Stoff ist auch nicht irgendwie handschriftlich draufgekritzelt, sondern der ist sauber offiziell beschriftet.» Zudem sei das Fläschchen mit geschätzten 200 Gramm Gewicht relativ schwer - passend, da Polonium 210 ein vergleichsweise schwerer Stoff sei.
Zunächst seien allerdings alle Messungen im Umfeld des Fläschchens negativ gewesen. Es sei keine Radioaktivität gemessen worden. Die beiden Männer seien nach dem Fund unverletzt.
Fund löste Großeinsatz von Feuerwehr und Polizei aus
Sie hatten in dem Garten am Ortsrand Ostereier gesucht, als sie das weiße Kunststofffläschchen mit rotem Deckel fanden. Nach dem Fund wählten sie den Notruf. Weitere Angaben zu den Männern machten die Behörden nicht.
Beim anschließenden Großeinsatz waren nach Angaben der Feuerwehr 138 Einsatzkräfte mit 41 Fahrzeugen vor Ort – darunter ein Strahlenschutzzug, ein Gefahrgutzug sowie eine Fachberaterin für Strahlenschutz, die beruflich im Kernkraftwerk tätig ist, wie der Kreisbrandmeister sagte. Auch ein Experte des Landeskriminalamtes (LKA) war im Einsatz.