Sporadisch Café-Small-Talk: Sind wir nur noch Pseudofreunde?
Autor: Lilli Förter und Gregor Tholl, dpa
, Dienstag, 29. Sept. 2026
Die sogenannte Catch-up-Culture in vielen Freundschaften wird 2026 viel kritisiert. Treffen seien oft nur noch Status-Updates, echte Verbundenheit bleibe auf der Strecke. Ist es wirklich so schlimm?
Die sogenannte Catch-up-Culture - auf Deutsch etwa: Aufhol- oder Nachholkultur - beschreibt ein Phänomen im heutigen Sozialleben, bei dem kleine Treffen von Freunden - etwa auf einen Kaffee oder Cocktail - nur noch darin zu bestehen scheinen, sich auf den neuesten Stand zu bringen, Statusberichterstattung zu leisten.
Derzeit scheint es irgendwie schick (kinda chic!) zu sein, diese oberflächliche Freundschaftspflege per Treffen im Café zu problematisieren, also solche Beziehungen als Pseudofreundschaften zu diskreditieren. Doch der Reihe nach:
Was genau soll diese «Catch-up Culture» sein?
Statt ihr Leben natürlich miteinander zu teilen, kennen viele Erwachsene, ab einem bestimmten Alter insbesondere, diese Art der Freundschaftspflege: Bei gelegentlichen Treffen, etwa einem Kaffeetrinken oder Abendessen, werden die Ereignisse der letzten Wochen für den anderen zusammengefasst, aufbereitet, quasi ein Update des eigenen Lebens abgeliefert und nachgeholt.
Was war los bei dir die letzten Tage? Gibt es Neues bei der Arbeit? Wie läuft die Beziehung? Wie geht es den Kindern? Wie war der Urlaub?
Solche Treffen erinnern womöglich an ein vierteljährliches Mitarbeitergespräch, an eine Pflichtaufgabe, die man im Kalender abhakt. Es wird sich erzählt, was getrennt voneinander erlebt worden ist.
So entsteht das Gefühl, das Leben der anderen bloß von der Seitenlinie aus zu beobachten. Oft bleiben die kleinen, alltäglichen, scheinbar belanglosen Dinge bei der präsentierten Auswahl außen vor. Dabei wären es eigentlich gerade sie, die emotionale Nähe und kontinuierliche Verbundenheit schaffen.
Warum gibt es diese Aufholkultur in Freundschaften wohl?
Auf TikTok und anderen sozialen Netzwerken wird das Phänomen derzeit gern debattiert. Influencer und (echte, aber auch selbsternannte) Expertinnen und Experten verweisen auf mehrere strukturelle Ursachen im modernen Leben.