Wenn die Zukunftsangst den Kinderwunsch dämpft
Autor: Mona Wenisch, dpa
, Mittwoch, 02. Sept. 2026
Krieg, Klimawandel, Sorgen um den Job: Junge Erwachsene haben Zukunftsängste. Und die beeinflussen ihre Familienplanung – manche mehr als andere.
Kriege, Arbeitslosigkeit und Wohnungsmangel: All das kann den Kinderwunsch junger Menschen beeinflussen. Welche Rolle das spielt, hat das Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung untersucht.
Wunsch und Wirklichkeit – wie viele Kinder sind ideal?
Der Kinderwunsch ist nach der Untersuchung des Bundesinstituts erstmals seit vielen Jahren gesunken. Demnach liegt er bei Frauen rechnerisch bei 1,7 Kindern und bei Männern bei 1,6 Kindern.
Höher liegt die Vorstellung der «idealen Kinderzahl» – also der Anzahl an Kindern, die Menschen unabhängig von Hindernissen als ideal ansehen. Sie sei relativ konstant geblieben, hieß es. Frauen und Männer zwischen 18 und 39 Jahren sehen demnach etwa 2,2 Kinder als ideal an. Und: 92 Prozent der Frauen und 93 Prozent der Männer halten ein Leben mit Kindern für ideal.
2025 lag die Geburtenrate laut Statistischem Bundesamt bei 1,32 Kindern pro Frau und damit nochmal etwa drei Prozent niedriger. «Der seit 2017 zu beobachtende und nur im Jahr 2021 im Kontext der Corona-Pandemie unterbrochene Rückgang der Kinderzahl je Frau verstärkte sich seit 2022 deutlich und setzt sich auch im Jahr 2025 fort», schrieb das Amt. Junge Erwachsene bekommen also weniger Kinder, als sie eigentlich möchten und auch, als sie für ideal halten.
Die Geburtenrate beschreibt, wie viele Kinder eine Frau im Durchschnitt bekommen würde, wenn das Geburtenverhalten eines bestimmten Jahres während ihres gesamten gebärfähigen Alters gleich bleiben würde. Die Berechnung berücksichtigt alle Frauen von 15 bis 49 Jahren. Es handelt sich um einen theoretischen Wert und nicht um die tatsächliche Kinderzahl einer einzelnen Frau.
Wie sieht es in anderen Ländern Europas aus?
«Die Geburtenrate in der Europäischen Union ist von 1,53 Kindern pro Frau im Jahr 2021 auf 1,34 im Jahr 2024 gefallen», schreibt das Institut. «Dies ist der tiefste Wert seit der Gründung der EU.»
Martin Bujard, Forschungsdirektor am Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung und Mitautor, sagte, Deutschland sei im europäischen Mittelfeld. Aber in ganz Europa sei die Geburtenrate in den vergangenen vier Jahren eingebrochen. Und: Länder, die nahe an der Ukraine seien, hätten niedrige Geburtenraten. In Polen, dem Baltikum und Finnland liege der Wert zwischen 1,1 bis 1,2 Kindern.