Seltenes Spektakel: Thailands königliche Barken-Prozession
Autor: Carola Frentzen, dpa
, Freitag, 06. November 2026
52 prächtige Boote, 2.200 Ruderer und ein König: Thailands royale Barken-Prozession ist ein seltenes Großereignis, mitten im modernen Bangkok. Zugleich verrät sie viel über die Rolle der Monarchie.
Es ist ein Schauspiel, das selbst im schillernden Thailand nur zu besonderen Anlässen zu erleben ist: die königliche Barken-Prozession auf dem Chao Phraya in Bangkok. 52 prachtvoll verzierte Prunkboote gleiten in kunstvoller Formation über den Fluss. Goldene Schwäne und mythologische Drachen schmücken ihre Bugspitzen, 2.200 Ruderer geben singend den Takt vor.
Auf der prächtigsten Barke, der Suphannahong, fahren König Maha Vajiralongkorn und Königin Suthida in eleganter schwarzer Seidenrobe mit. Ihrem 48. Geburtstag zu Ehren wird die Prozession abgehalten. Auch Prinz Dipangkorn, der mutmaßliche Thronfolger, ist mit von der Partie.
Das Ziel ist Wat Arun, der berühmte Tempel der Morgenröte und eines der Wahrzeichen der Stadt. Dort nehmen die Royals an der traditionellen Kathin-Zeremonie teil: Nach dem Ende der buddhistischen Fastenzeit werden dabei neue Gewänder und Gaben an Mönche überreicht.
Uralter Brauch
Die «Royal Barge Procession» gehört zu den bedeutendsten Zeremonien der thailändischen Monarchie. Die «Bangkok Post» feierte sie sogar einmal als «eines der größten Ereignisse der Welt». Nur zu ganz besonderen staatlichen oder religiösen Anlässen werden die kostbaren Schiffe zu Wasser gelassen.
Die diesjährige Prozession war die dritte während der Regentschaft von Rama X., wie der Herrschertitel des Königs lautet. Zuvor fand sie 2024 anlässlich seines 72. Geburtstags statt. 2019 bildete sie den Abschluss seiner Krönungsfeierlichkeiten. Der Brauch reicht aber wahrscheinlich bis ins 14. Jahrhundert zurück.
Hunderttausende Schaulustige
Die Formation erstreckt sich traditionell über mehr als 1,2 Kilometer. Die vier wichtigsten Barken tragen Namen und Verzierungen aus der Mythologie. Neben der Suphannahong mit ihrem goldenen Schwan am Bug gehört dazu ein Boot mit einem vielköpfigen Naga, einem mythischen Schlangenwesen.
Das Ereignis wurde live im Fernsehen übertragen, Zehntausende säumten die Ufer des Chao Phraya. Schon zu den aufwendigen Generalproben versammelten sich viele Einheimische und Touristen entlang des Flusses. Monate der Vorbereitung lagen hinter den Beteiligten: Jeder Ruderschlag musste am Stichtag sitzen.