Seltene Flucht von Mörder - Behörden prüfen mögliche Fehler
Autor: dpa
, Freitag, 19. Juni 2026
Nur ein Moment allein in der Garage genügte: Ein Mörder flieht, landet nach einem Unfall in einem italienischen Krankenhaus und sorgt für Wirbel bei den Justizbehörden. Was lief da schief?
Der geflüchtete Mörder aus einem Gefängnis in Celle wird nach seiner Festnahme weiter in einem italienischen Krankenhaus behandelt. Bei seinem Unfall südlich von Verona habe sich der 42-Jährige mit einer Oberschenkelfraktur erheblich verletzt, sagte eine Sprecherin des niedersächsischen Justizministeriums. Erst nach Abschluss der Behandlung könne er ausgeliefert werden, teilte das Landeskriminalamt dazu mit.
Der Straftäter hatte im Rahmen eines begleiteten Ausgangs gemeinsam mit einem Mitarbeiter des Gefängnisses die Wohnung seiner Mutter in Peine besucht. Nach ersten Erkenntnissen nutzte er einen Aufenthalt in einer nahegelegenen Garage, um mit seinem in der Garage abgestellten Motorrad wegzufahren.
Laut den Ermittlern gelangte der 42-Jährige über Bayern nach Italien. Auf seiner Flucht wurde ihm ein Unfall zum Verhängnis: Südlich von Verona stürzte der Mann und kam in die Klinik. Dort nahmen ihn Beamte am Donnerstag fest, er steht seitdem unter polizeilicher Beobachtung.
Ministerium: Mann durfte an seinem Motorrad schrauben
Die Behörden in Deutschland beginnen derweil mit der Aufarbeitung. Sie müssen klären: Wie konnte der verurteilte Mörder fliehen? Fest steht bisher: Der Mann hatte die Erlaubnis, sein Motorrad in der Garage zu warten. «Während der Arbeiten an dem Motorrad war der Bedienstete durchgängig zugegen», betonte eine Sprecherin des Justizministeriums.
Doch dann war er einen Moment allein. Wie das Ministerium weiter mitteilte, durfte der Mann am Dienstag gegen 14.30 Uhr nach Absprache erneut zur Garage, um seine Arbeiten abzuschließen - diesmal allerdings ohne Begleitung des JVA-Mitarbeiters.
Hat der Bedienstete einen Fehler gemacht? Das Ministerium will keine voreiligen Schlüsse ziehen. Der Sachverhalt werde erst umfassend aufgeklärt, sagte die Sprecherin. «Eine abschließende Bewertung ist zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht möglich.» Nach Angaben aus dem Ministerium war der JVA-Bedienstete nicht bewaffnet und hatte keine Sicherungsaufgabe. Er hatte eine unterstützende Funktion, wie eine Ministeriumssprecherin sagte.
Für nächsten Donnerstag kündigte sie an, dass Niedersachsens Justizministerin Kathrin Wahlmann (SPD) in der Sache unterrichten werde. Die CDU-Fraktion hatte am Tag nach Bekanntwerden der Flucht eine Sondersitzung des Unterausschusses Justizvollzug beantragt.