45-Jähriger in U-Haft - Trauer nach Tat in Stade
Autor: Helen Hoffmann, Leonard Fischer und Britta Körber, dpa
, Dienstag, 30. Juni 2026
Ein Termin zum Sorgerecht für ein Baby endet tödlich. Sechs Menschen, die vermitteln und helfen wollten, sterben. Am Tag danach kommt der 45-Jährige in U-Haft.
Einen Tag nach den tödlichen Schüssen in einer Jugendhilfeeinrichtung in Stade hat das Amtsgericht Haftbefehl gegen den 45 Jahre alten Tatverdächtigen erlassen. Die Staatsanwaltschaft bewertet die Taten aufgrund des Vorliegens von Mordmerkmalen, insbesondere Heimtücke und niederen Beweggründen, als sechsfachen Mord, hieß es in einer Mitteilung. Der Beschuldigte wurde den Angaben zufolge anschließend in eine JVA gebracht.
«Während eines Hilfeplangesprächs unter Beteiligung mehrerer Mitarbeiter der Einrichtung und des Jugendamtes der Region Hannover soll er plötzlich mit der mitgebrachten Schusswaffe auf die Mitarbeiter geschossen haben, um sie zu töten», schrieb die Staatsanwaltschaft.
In Bezug auf die beiden Frauen, die zuvor vernommen worden waren - die Mutter der gemeinsamen Tochter und die Fahrerin des Tatverdächtigen - habe die Staatsanwaltschaft keinen Antrag auf Untersuchungshaft gestellt. Sie sind aus dem polizeilichen Gewahrsam entlassen worden, wie es weiter hieß.
Hinweise aus der Bevölkerung aus
Bei der Gewalttat am Montag waren vier Frauen und zwei Männer getötet worden. Nach Behördenangaben handelt es sich bei den Opfern um zwei Frauen und einen Mann aus dem Raum Hannover, die als Mitarbeitende des Jugendamtes der Region Hannover in der Stader Jugendhilfeeinrichtung waren. Getötet wurden zudem zwei Frauen und ein Mann, die als Mitarbeitende der Stader Jugendhilfeeinrichtung vor Ort waren.
Die Ermittler richteten eine Mordkommission ein. Wegen des Umfangs und der Komplexität des Tatgeschehens sollen die Ermittlungen von der sogenannten MoKo übernommen werden. Ausgewertet werden Hinweise aus der Bevölkerung. Die Polizei bittet Zeuginnen und Zeugen weiter um Fotos und Videos, die im Zusammenhang mit der Tat stehen könnten. Material könne über ein eingerichtetes Hinweisportal hochgeladen werden.
Beamte schossen auf die Reifen des Fluchtwagens
Die Polizei hatte den tatverdächtigen Türken kurz nach der Tat festgenommen. Er versuchte mit einem Auto zu fliehen, das eine 65-Jährige fuhr. Beamte schossen auf die Reifen des Wagens. Nach derzeitigem Erkenntnisstand hat die Frau eine enge Verbindung zur Familie des Tatverdächtigen.
Ermittler suchen am Tatort nach Beweisen
Derweil läuft die Spurensicherung am Tatort weiter auf Hochtouren. Die Schüsse fielen in einem Backsteinhaus, das in einer ruhigen Wohngegend liegt. Nun ist die Lage anders: Die Polizei hat die Straße auf einer Länge von rund 200 Metern gesperrt.